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Aussen Vor

13. Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar

Blickt man in die Welt, scheint sich der globale marktwirtschaftliche Kapitalismus unentbehrlich gemacht zu haben. Kaum ein Fleck der Erde ist vor ihm sicher, sein Erfolg verdrängt jegliche alternativen Formen der gesellschaftlichen Organisation von Produktion, Verteilung und Verbrauch. Jeglicher Ausdruck des Widerspruchs, des Protests oder der Resignation angesichts der Übermacht der herrschenden Verhältnisse wird bereits als folkloristisches Element in den Mainstream integriert. Außerhalb dieser letzten noch übrigen Idee aus dem Versuchslabor der Gesellschaftsordnungen scheint nur Leere zu sein, jedes Draußen ein vermeintlich gefährlicher Ort.                                                 

Gerade Künstler finden jedoch immer wieder einen kritischen Zugang zu dem Außerhalb unseres Systems, sie sind eher noch als andere Menschen sensibel für individuelle und kollektive Sehnsüchte nach dem politisch und wirtschaftlich Anderen. Und dies auch dann noch, wenn sie verzweifelt in Einsiedelei verfallen, weil sie einsehen oder einsehen müssen, dass es ein Außerhalb nur noch in der Fantasie der Kunst geben kann.

Häufig stellt sich das als Suche nach all dem dar, was das System bislang hat nicht vereinnahmen können, da es als unfruchtbar, unproduktiv, abwegig, unbequem, schäbig oder beängstigend qualifiziert wird. Dieses Suchen setzt voraus, dass es ein Außerhalb des Systems überhaupt gibt – gleich wie romantisch verklärt, anfechtbar oder lebensfern es auch immer sein mag. Kunst schafft Möglichkeiten, anders denken oder sich Zusammenhänge anders vorstellen zu können. Ästhetisch-künstlerische Praxis kann ein radikales Werkzeug sein auf der Suche nach alternativen Varianten menschlichen Organisierens. Dies gilt auch und gerade, wenn politische Ideologien und wirtschaftliche Systeme mit ihren Machtstrukturen und hierarchischen Strategien hinsichtlich eines umfassenderen Verständnisses von der Welt immer wieder Grenzen aufzeigen und der direkten Kommunikation im Weg stehen.

Das 13. Internationale Atelierprogramm der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar thematisiert den Ausweg aus dem „no way out“, die Sprengung des Rahmens, die Frage nach dem Dahinter, die Ästhetik des Draußen, Wege, ein heidnisches Ketzertum zu evozieren: konkrete Fragen zu stellen, nicht Ziele vorzugaukeln. Haben die drohende Auslöschung der Menschheit durch einen globalen Krieg, das mögliche Ende des Fortschritts, die zunehmend sichtbar werdende Zerstörung der Umwelt, die warnende Prophezeiung vom Ende des Wachstums und der Wegfall der überkommenen Wertesysteme in der westlichen Hemisphäre, neben dem gesellschaftlichen Phänomen der allgemeinen Sinnkrise, auch zu einer Stimulanz der Suche nach Auswegen, der Abgrenzung zum und Überwindung des Systems geführt? Dafür gilt es, eine Beweisführung mit künstlerischen Mitteln anzutreten. Kann Kunst immer noch Waffe sein, um die fragwürdige Logik der Konsum- und Fortschrittsspirale für ein immer komfortableres Leben nebst einem dadurch realer werdenden Dystopia zu durchdringen und die richtigen Türen nach draußen zu finden, wenn wir außen vor sein möchten?

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On the Outside

13th International Studio Program of the ACC Galerie Weimar and the City of Weimar     

If we cast a glance at the world, the global market capitalist economy seems to have established itself for good. There is hardly a corner of the world that is free of its dominion, and its success has precluded any alternative form of organising production, distribution, and consumption in our society. Every expression of opposition, protest, or resignation toward the dominance of the prevailing situation is immediately integrated into the mainstream as something colorful and exotic. Outside of this last remaining idea from the laboratory of possible societal models, there seems to be nothing but emptiness; anything from the outside is assumed to be dangerous. But artists, in particular, are often able to find a critical point of entry into what is outside of our system; they tend to be more sensitive than other people to the individual and collective longing for the political and economic

This often manifests itself in the search for everything that the System has as yet been unable to incorporate, holding it to be unfruitful, unproductive, irrelevant, uncomfortable, shoddy, or frightening. This search of course presupposes that something outside of the System exists in the first place – as romantic, questionable, or far-fetched as it may be. Art creates possibilities of thinking differently and imagining things in a different way. An aesthetic, artistic approach can prove to be a radical tool in the search for alternative forms of human organisation. This especially holds true when political ideologies and economic systems, with their power structures and hierarchical functioning, again and again reveal their limits and the obstacles they present to direct communication when faced with a deeper, broader understanding of the world.

The 13th International Studio Program of the ACC Galerie Weimar and the City of Weimar explores the way out when there seems to be none, the breaking of boundaries, the question of what lies beneath the surface, the aesthetic of the outside, ways of evoking pagan heresy; it is about raising real and definite questions and not about offering easy answers. Have the threat of human extinction due to global war, the possible end of progress, the increasingly visible decimation of the environment, the prophecy of the looming end of growth, and the deterioration of traditional value systems in the Western hemisphere, in addition to the phenomenon of a general crisis of meaning in our society, also stimulated the search for a way out, for a way of functioning outside of and overcoming the System? This calls upon to be demonstrated by artistic means. Can art still be a weapon capable of penetrating through the questionable logic of the spiral of consumption and progress aiming at ever greater comfort, alongside the reality of an ever greater dystopia, opening up new and better doors to the outside, when we are willing to be outsiders?