Beyond Desire - Jenseits der Sehnsucht (2010)

Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar

16. Internationales Atelierprogramm 2010 'Jenseits der Sehnsucht'

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Beyond Desire - Jenseits der Sehnsucht

16. Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar

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Die neuen Stipendiaten des Internationalen Atelierprogramms der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar wurden durch eine internationale Kunstfachjury ausgewählt.

Weimar wird im kommenden Jahr wieder gastgebende Stadt für drei internationale Künstler sein, die im Rahmen des Internationalen Atelierprogramms der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar eingeladen werden. Das Internationale Atelierprogramm ist das einzige Artist-in-Residence-Programm dieser Art in Thüringen und jährt sich 2010 zum 16. Mal.

Aus 315 Bewerbungen von Künstlern aus 58 Ländern hat eine internationale Fachjury, die am 10. und 11. Dezember 2009 in der ACC Galerie tagte, die Künstler Leila Tschopp (Argentinien), Kathrin Schlegel (Niederlande, Deutschland) und Christoph Ziegler (Deutschland) ausgewählt. Die Jury setzte sich zusammen aus der in Brüssel lebenden griechischen Kuratorin und Kunstkritikerin Katerina Gregos, dem in Wuppertal und Forcalquier (Frankreich) lebenden US-amerikanischen Kunstkritiker, Kunstberater, Herausgeber und Kurator David Galloway, dem dänischen Direktor des Heidelberger Kunstvereins Johan Holten, der in diesem Jahr mit dem ADKV ART COLOGNE Preis für Kunstvereine ausgezeichnet wurde sowie dem Berliner Künstler Henrik Schrat.

Für jeweils vier Monate werden die Gastkünstler im Städtischen Atelierhaus leben und sich mit dem aktuellen Programmthema "Jenseits der Sehnsucht" auseinandersetzen. Leila Tschopp, geboren 1978, lebt in Buenos Aires und möchte in Weimar ihre Installationen und Wandmalereien in Verbindung mit dem Bauhaustheater und der Avantgarde im Argentinien der 1930er und 1940er Jahre weiterverfolgen. Kathrin Schlegel, geboren 1977, lebt in Amsterdam und wird eine ortsspezifische Installation anhand widersprüchlicher Begriffsdefinitionen und Untersuchungen zum Thema "Jenseits der Sehnsucht" erarbeiten. Christoph Ziegler, geboren 1973, lebt in Hamburg und möchte eine Art Kiosk bauen, der als Schnittstelle zwischen Utopie und "Realraum" erlebbar sein soll.

Das Programm setzt sich mit der Sehnsucht - einem beglückenden, aber auch schicksalhaften Gefühl - auseinander. Von alters her haben Menschen sich nicht nur nach dem idealen Partner oder der perfekten Gemeinschaft, sondern auch nach besseren Welten und gerechteren Gesellschaften gesehnt. Was aber steckt hinter jener "Krankheit des schmerzlichen Verlangens" (Jacob und Wilhelm Grimm), die dem Menschen oft lieber ist als deren Erfüllung? Was liegt jenseits dieser Sehnsucht? Ein fruchtbringendes Hinterland oder ein Friedhof unseres unbefriedigten Begehrens? Wie sieht jenes Unerreichbare aus, das "ewige Zuhause" (Joseph von Eichendorff), zu dem kein Kompass der Welt uns führen kann, zu dem der Mensch jedoch als Reisender in unendlicher Sehnsucht unterwegs durch die Welt ist? Ist es das Streben nach dem Unerreichbaren, was dem Leben Sinn gibt, schöpferische Kraft entwickelt, für Widerstand sorgt? Dies werden die Programmteilnehmer untersuchen und ergründen.

Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen … und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Das Ersehnte ist immer anderswo. Die Sehnsucht nach Erfüllung, Überwindung, Perfektion, dem Licht, dem Paradies, dem Wunderbaren, ist ein beglückendes, aber auch schicksalhaftes Gefühl. Seine Poesie "wiegt sich zwischen Erinnerung und Ahnung" (August Wilhelm Schlegel). Von alters her haben Menschen sich nicht nur nach dem idealen Partner oder der perfekten Gemeinschaft, sondern auch nach besseren Welten und gerechteren Gesellschaften gesehnt. Was aber steckt hinter jener "Krankheit des schmerzlichen Verlangens" (Jacob und Wilhelm Grimm), die dem Menschen oft lieber ist als deren Erfüllung? Was verbirgt sich hinter jener köstlichen, innigen oder durchaus leidvollen, wenn nicht gar vergeblichen Sehnsucht nach einer Person oder Sache?

In den politischen Umwälzungen in Ostdeutschland, die sich 2009 zum zwanzigsten Mal jähren, lag für viele ihrer Protagonisten für eine zunächst unbestimmte, später sehr begrenzte Zeit die Sehnsucht nach einer neuen politischen Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die jedoch bald von der Realität eingeholt wurde, weil der reale Prozess der Vereinigung beider deutscher Staaten sich äußerst rasant vollzog. Das Verlangen nach einem politischen Wandel wurde mehrheitlich vom Verlangen nach Konsum und Kaufkraft überschattet, die Sehnsucht wurde zum endlichen, "leeren Wunsch, die Zeit zwischen dem Begehren und Erwerben des Begehrten vernichten zu können" (Immanuel Kant). Eine unendliche Sehnsucht jedoch, die keine Grenzen mehr kennt, entgrenzt ist, visiert etwas Unerreichbares, nahezu Unbestimmtes an.

Wenn uns bewusst wird, dass unsere vielmals grenzenlosen Wunschvorstellungen nie zur Gänze in Erfüllung gehen, sondern auf Grenzen stoßen, dass es so etwas wie eine "Endstation Sehnsucht" gibt: Was liegt dann jenseits dieser Sehnsucht? Ein fruchtbringendes Hinterland oder ein Friedhof unseres unbefriedigten Begehrens? Wie sieht jenes Unerreichbare aus, das "ewige Zuhause" (Joseph von Eichendorff), zu dem der Mensch als Reisender in unendlicher Sehnsucht unterwegs durch die Welt ist? Lohnt es sich überhaupt, sich auf die Reise nach jenem fernen Terrain zu machen, zu dem kein Kompass der Welt uns führen kann? Oder ist es das Streben nach dem Unerreichbaren, was dem Leben Sinn gibt, schöpferische Kraft entwickelt, für Widerstand sorgt? Thomas Hobbes stellte fest, dass Sehnsucht der elementare Antrieb allen menschlichen Handelns ist. Als Hauptinhalt des Lebens ist die Sehnsucht die oft unterschätzte, weil treibende Kraft jeglicher Weiterentwicklung - zum Beispiel jene Sehnsucht nach organisiertem Widerstand.

Einer derer, die versucht haben, ihre Sehnsüchte tatsächlich in die Praxis umzusetzen, obwohl er um die Ungewissheit ihrer Erreichbarkeit wusste, ist der weithin unbekannte Jurist Christian Gottlieb Priber (1697-1748) aus Zittau (Deutschland). Als Ethnologe, Frühaufklärer und Sozialutopist schuf er mit seinem Entwurf eines idealen Gemeinwesens im 18. Jahrhundert das einzige uns bekannte Beispiel einer weltlichen Utopie unter einer Vielzahl religiöser Kommunen, obwohl er seine Republik, vielleicht in polemischer Absicht gegenüber den Frommen, "Königreich Paradies" nannte. Weil er wegen seiner Ideen und Sehnsüchte unter Beobachtung stand, verließ Priber in den 1730er Jahren seine Familie und floh über London nach Amerika, wo er von den Cherokee-Indianern aufgenommen wurde. Erst dort fand er Gleichgesinnte, die das Sozialexperiment nach seinen Maximen leben wollten. Nach wenigen Jahren geriet Priber in die Gefangenschaft der britischen Kolonisatoren, die seinem Paradies ein Ende bereiteten. Er starb in Haft, das Manuskript seiner ersehnten Republik - "Kingdom Paradise" - ist seither verschollen.

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International jury of art specialists chooses the new Artists-in-Residence for the International Studio Program of the ACC Galerie Weimar and the City of Weimar.

In 2010 Weimar will again host three artists invited through the International Studio Program of the ACC Galerie Weimar and the City of Weimar. Now entering its 16th year, the International Studio Program is the only program of its kind in Thuringia.

The jury of art specialists met on December 10 and 11 in the ACC Galerie and out of 315 applications from 58 countries chose artists Leila Tschopp (Argentina), Kathrin Schlegel (The Netherlands/Germany), and Christoph Ziegler (Germany). The jury consisted of Katerina Gregos, Greek curator, art educator and art critic living in Brussels, Belgium; David Galloway, American independent curator, art critic and art publisher living in Wuppertal, Germany and Forcalquier, France; Johan Holten from Denmark, head of the Kunstverein Heidelberg, Heidelberg, Germany; and Henrik Schrat, German visual artist living in Berlin, Germany.

Each guest artist will live for four months in the Städtisches Atelierhaus and grapple with the new program theme "Beyond Desire." Leila Tschopp, born 1978, lives in Buenos Aires and will continue to work with installations and murals, using the relationship between the theater of the Bauhaus and the Argentinean avant-garde of the 1930s and 1940s as new inspiration. Kathrin Schlegel, born in 1977, lives in Amsterdam and will investigate the contradictory ideas around the theme "Beyond Desire" through a site-specific installation. Christoph Ziegler, born in 1973, lives in Hamburg and will build a kiosk that will serve as a tangible interface between utopia and "real space."

Next year's program focuses on desire - a joyful but also a portentous feeling. Through the ages, people have longed for not only the ideal partner or perfect community but also for better worlds and more just societies. But what lies hidden behind that "sickness of painful yearning" (Jacob and Wilhelm Grimm) that often seems preferable to its fulfillment? What lies beyond this desire? A lush and fertile hinterland or a graveyard for our unfulfilled longings? What does that unreachable place look like, that "eternal home" (Joseph von Eichendorff), to which humans as travelers are by infinite desire propelled through the world? Is it worth it at all to embark on a trip to these far-off lands to which no compass in the world can steer us? Or is it the striving for the unreachable that gives life its purpose, develops creative power, fosters resistance? This is what the program participants will study and try to fathom during their stay.

If you want to build a ship, don't drum up people to collect wood … and divide up the work, but rather teach them to long for the infinity of the sea. - Antoine de Saint-Exupéry

What is longed for is always elsewhere. The desire for fulfilment, overcoming, perfection, light, paradise or the miraculous is a joyful but also a fatalistic feeling, its poetry "hovering between memory and premonition" (August Wilhelm Schlegel). Through the ages, people have longed for not only the ideal partner or perfect community but also for better worlds and more just societies. But what lies hidden behind that "sickness of painful yearning" (Jacob and Wilhelm Grimm) that often seems preferable to its fulfilment? What is hidden behind that exquisite, heartfelt, almost entirely woebegone, if not completely hopeless longing for a person or a thing?

In the political upheavals in East Germany, which mark their 20th anniversary in 2009, lay the desire of many of its protagonists - at first for an undefined and later for a very limited time - for a new political form of social community. This desire, however, was quickly overtaken by reality, as the actual process of unification of the two German states took place in an exceedingly rapid way. The longing for a political transformation was, for the most part, overshadowed by the desire for consumption and buying power; the desire altered, becoming a wish for the finite, "empty desire to eliminate the time between desire for something and the acquisition of it" (Immanuel Kant). An infinite desire, however, one that knows no bounds, that is unlimited, aims for something unreachable, nearly indeterminate.

If we become conscious that our often boundless desirings can never totally be fulfilled, but rather always encounter limits, that there is something like a "final station of desire": What then lies beyond this desire? A lush and fertile hinterland or a graveyard for our unfulfilled longings? What does that unreachable place look like, that "eternal home" (Joseph von Eichendorff), to which humans as travellers are by infinite desire propelled through the world? Is it worth it at all to embark on a trip to these far-off lands to which no compass in the world can steer us? Or is it the striving for the unreachable that gives life its purpose, develops creative power, fosters resistance? Thomas Hobbes asserted that desire is the fundamental impulse for all human action. As the main content of life, longing is often underestimated as the driving force of every further development - for example those desires for organized resistance.

One person who attempted to put his longing into practice, even though he knew of its futility, is the little-known lawyer Christian Gottlieb Priber (1697-1748). As an ethnologist, early representative of the Enlightenment and social utopian, he devised a plan for an ideal community in the eighteenth century. It is the only example we know of a secular utopia next to the multiplicity of religious communes during this time, though he called his republic (perhaps as a polemical thrust against the pious) the "Kingdom of Paradise." Because of his ideas and yearnings, Priber received much scrutiny and in the 1730s he left his family and home in a small German town and fled via London to America. It was here, adopted by the people of the Cherokee, that Priber found acceptance for his ideas and like-minded people who wanted to live by them. After a few years, he was imprisoned by the British colonialists, who brought his paradise to an end. He died in custody; the manuscript of his longed for republic - "Kingdom Paradise" - has been lost ever since.