Happy Valley

 ALMUT RINK (DE)

Happy Valley

09. Mai bis 07. Juli 2003

Anhand von Naturbildern – Landschafts implantaten als Erinnerung und Ersatz, exotischen Inszenierungen, die Sehnsüchte materialisierten, gleichzeitig aber eine Leere erzeugten – fokussierte die Fotoserie Exotic and Familiar (2003) auf das Begehren nach dem Anderswo, dem Anderen, nach Flucht aus dem Alltag. In den Fotografi en vermischten sich verschiedene Zitat- und Aneignungsstrategien. Ihre perfekte Oberfl äche wurde gebrochen und perforiert durch aufgezeichnete Auszüge aus dem Logbuch von Gérard D’Aboville, der 1991 als Erster den Pazifik im Ruderboot überquerte: «Ich wollte etwas Sinnloses machen, nicht wie Tiere. Etwas, was nur Menschen tun.» Das sich anschließende Foyer diente einer ersten Orientierung und lud mit einer großen Wandkarte ein, Passage und Stationen der dahinter folgenden Installationen im Voraus zu gehen. Die Kernarbeit der Schau war die Videoinstallation Past Perfect I (2003) im hellblauen Rundgangsbereich, durch den man sich wie durch ein «begehbares Drehbuch» bewegte. Sie zeichnete eine touristische «Hammer and Sickle Tour» per Trabant durch Budapest nach, die eine geschichtliche Epoche in einem sozialistischen Regime als Unterhaltungs-Setting reinszenierte und neben dem Besuch eines «Live Museums», einem längeren Gespräch in einer Plattenbauwohnung von 1980 (der Besuch eines proletarischen Pubs und eines sozialistischen Stahlwerks waren geplant) auch eine Führung durch den «Szobor Park», einen Skulpturenpark mit epochal gebündelten Monumenten einer ver gangenen Ideologie, umfasste. Installation wie Tour bestanden aus Stationen, die neben anderen die Perspektive einer Tour-Führerin widerspiegelten. Christof Schlegels Gastbeitrag, die Videoinstallation Offwalk (2001), zeugte vom Versuch, sich in einer Durchquerung der Stadt durch ständiges «Eintauchen» in die typischen Leerräume zwischen den Häusern Tokios (Sukimas) einem «blinden oder leeren Kern» anzunähern und so der Frage nach den Bedingungen von Stadtraum und Identität nachzugehen. In einem Interview mit dem US-Unternehmer, der die «Hammer and Sickle Tour» initiierte und organisierte, wurde in Past Perfect II (2003) dessen Sicht auf die jüngere Geschichte deutlich. Die Videoinstallation Split Dream (2001) von Rink und Schlegel untersuchte das in Japan häufi ge Phänomen des «inemuri», des Schlafens in der Öffentlichkeit als gängige Methode des Entzugs vor der städtischen Umgebung, im spezifi schen räumlichen Setting eines Tokioter Freizeitzentrums mit Kino und strikter Geschlechtertrennung (zwei Monitore zeigten die beiden Hälften eines Liegeraums) vor dem Hintergrund eines amerikanischen Films. Das Kurzvideo Screen Saver (2000) thematisierte mittels bespieltem Bildschirm mit Aquariummotiv hinter einem leeren, wassergefüllten Aquarium die Verwendung von Naturbildern in der Werbung als emotionaler Hintergrund und funktionierte wie ein Bildschirmschoner. Die Dia Videoinstallation Sector No Limits (2002) hatte das Format eines Multimedia-Reiseberichts (dessen Referentin Almut Rink zwischen Video- und Diaprojektion wechselte), der mit einer Collage diverser Textfragmente um die Themen Reisen / Selbsterfahrung, Natur / Landschaft und Image / Werbung verknüpft war. Regula Dettwilers Gastbeitrag Orchideenjagd 2001, Basel, Bern, Montreal, Wien, Zürich (80 Dias, Plakat, 2001) ging der Frage nach, inwiefern sich angesichts von Ersatzwelten, inszenierten Orten (Shoppingmalls, Entertainmentkomplexen) und Natursimulationen die Bedeutung von Natur(erfahrung) heute für uns geändert hat. Die DVD-Diainstallation Rain or Shine (2001) war eine virtuelle Quasi-Lecture zur Naturrezeption in Japan und deren Repräsentationsmechanismen, die Strategien der Vermittlung von Ideen und Bildern aufdeckte, spielerisch verwendete und deren äußere Form zwischen Reisebericht, Popsong, Dokumentation und Fotoroman wechselte, um die Imagepolitik dieser Medien zu hinterfragen.