PING-PONG

BIRGER JESCH (DE)

JÜRGEN O. OLBRICH (DE)

PING-PONG

27. Januar bis 18. März 2007

Ein Ping-Pong künstlerischer Situationen quer durch 25 Jahre einer deutsch-deutschen Künstler freundschaft, dessen Dialog mit der Farbperformance Das Blaue vom Himmel (2007) begann, über die Maleraktion mit Musterrollen (2007) weitergeführt und von zwei Axolotls begleitet wurde. Bevor Olbrich in eine Stadt hinein fährt, sitzt er 30 Minuten am Ortseingangsschild und notiert die Kennzeichen der vorbeifahrenden Autos – seine Autopoems (seit 1980). Als Parodie auf die bürgerlichen Scherenschnittporträts produzierte Jesch per Fotovorlagen im Siebdruckverfahren einen (Galerie )Marktplatz voller Grotesken (2006). Olbrichs Paper Police (seit 1989) brachte Weggeworfenes neu zum Mitnehmen verpackt wieder in Umlauf: Bücher, Foto- und Poe siealben, Karten, Schallplatten, Spiele usw. Für das Artist Rubber Stamp Archive (1981 – 90) schickte Jesch rosa Löschpapierblöcke mit Bitte um Bestempelung an Künstler weltweit. 20 Jahre im Mail-Art-Netzwerk (1980 – 2000) hinterließen in seinem Archiv tausende Belege grenzüberschreitender Korrespondenz. Je drei Ausschnitte des Anschriftenteils (mit handschriftlicher Notiz des Bestimmungslandes) montierte er zu seinen Post-Mail-Art-Collagen Trikoloren (1999 – 2004). Aus seinem Wort-Schutz-Depot (1984 – 85) brachte Olbrich eine Frachtkiste mit, die 23 Stahlplatten enthielt. Jede trug ein von 23 Künstlern ausgewähltes, eingehämmertes und so geschütztes Wort. Startpunkt von Jeschs kollaborativ und weltweit initiierten Collective Collages (1982 – 92) war das Versenden einer erstgestalteten s /w-Fotografi e. In seiner DVD-Projektion The darkside of your moonfaces (1984 – 88) zeigten 224 Mail-Artisten in kleinen Selbstporträts ihre dunkle Seite, während die Ton Diashows Schlendergang und Roadworks (beide 2006) Jeschs «Spurenarchiv» mit Botschaften im Stadtraum wieder öffentlich machten. In Schwarz auf Weiß (2006) verwendete er ihm überlassene Passbilder (von vor 1990) als Vorlage für Schablonenporträts auf den Titelseiten von Tageszeitungen – die Ostdeutschen auf damaligen Westblättern und die Wessis auf DDR-Gazetten. Ein kleiner Teil von Olbrichs 220.000 Abfallkopien umfassenden Archiv der verlorenen Informationen (seit 1977) wurde im ACC zur Wandtapete. Die Jesch-Olbrich-ACC-Mail-Art-Aktion zur Ausstellung – mit 42 Künstlern aus aller Welt – wurde von zwei (Brief-)Tauben überwacht. Im Goethe-Jahr 1999 lud Jesch Künstler aus dem Norden (Itzehoe), Westen (Köln), Süden (Augsburg) und Osten (Dresden) ein, die Goethestraßen ihrer Heimatorte zu erkunden – als Schnittstelle diente ein gedachtes Goethekreuz in Weimar, der Goethewanderweg durchkreuzte für kurze Zeit das ACC, davon zeugte der Wegweiser an einer Kiefer. Olbrichs Wort-Schöpfungsprojekt Klassikerkergrube (seit 1995) ironisierte Namen von «Klassikern» durch fehlerhafte Wortbildungen. In Communication Breakdown (seit 1997) präsentierte Jesch aus seinem Archiv Zeugnisse von inzwischen verstorbenen Kunst-Post Netzwerkern als Nachlasshäufchen einer untergehenden Briefkultur. Olbrichs (Ge-)Denk kartenspiel The Artists’ Memory (2001) enthielt 34 von Künstlerkollegen wie Yoko Ono oder Daniel Spoerri erstellte Bildpaare, an die man sich erinnern sollte. Seine News Shoez (2002) fertigte Olbrich aus nationalen und internationalen Tageszeitungen. Fotos, ein Multiple, eine Edition sowie Objekte aus Olbrichs Drei kleine Freunde (seit 1988) bildeten das Pendant zu Birger Jeschs Arbeitszimmer (2007), einem 3-D-Remake einer Temperazeichnung aus dessen Schulzeit, gefüllt mit Studiermaterial zu Sammlung Anna Blume (1990/99), Letzte Worte (1990/98), Der Zentralsatz (Herbstanfang 1989) und Springfullmoon (1998). Das Weimar Album (2005/06) aus acht BriefmarkenCollagen-Serien produzierten Jesch und Olbrich im postalischen Ping-Pong. Im Ergebnis der Ausstellung entstand der Dokumentarfi lm «Birger Jesch – Ein Porträt von Alexandra Janizewski und Johannes Romeyke» (2008) um Existenzängste, Experimentierfreuden und Kunstlüste.