SIZE MATTERZ

BARKING DOGS UNITED (BDU)

NAOMI TEREZA SALMON (IL / DE) NIKOS ARVANITIS (GR)

Co-Kuratorin: Kerstin Stakemeier (Hamburg)

SIZE MATTERZ

19. Januar bis 16. März 2008

«Vorsicht Gegenwartskunst! Betreten auf eigene Gefahr!» grüßte der Ausstellungseingang. «Wir arbeiten an einer Zukunft, in der es keine Künstler mehr gibt, nur noch Nicht-Künstler» proklamierte ganz unbescheiden das Manifest des seit 2005 operierenden Künstlerduos Barking Dogs United (BDU). Gegenwartskunst ist zum gesellschaftlichen Modeaccessoire geworden, Pinakothek wird Diskothek, Documenta wird Oktoberfest. BDUs Kunstbeiträge erzählten – teils ironisch deformiert – vom Verhältnis zwischen Künstler-Individuum und Kunstmarkt-Sphäre. Wo sich das Bürgertum laut Theodor W. Adorno «das Leben karg und die Kunst üppig» wünscht, verweigerte BDU deren Trennung. Die Welt wurde aus Gebrauchsobjekten rekonstruiert, die keine produktive Funktion in der Reproduktion der Gesellschaft tragen. So erzeugte z. B. ein Meer von 1.300 Skateboards als Skatefloor (2008, auch als Multiples) einen durchweg unsicheren Stand und Gang, die Welt geriet ins Wanken. Zur (virtuellen) Navigation via GPS durch die Schau dienten Animationen auf dem übergroßen GPS Navigator (2008). Daneben warnten zwei bellende, vierbeinige Megafon-Wachhunde von Benedikt Braun Wir müssen draußen bleiben (2008). BDUs Corporate-Identity Raum (2008) enthielt jenes Manifest und einen sechsköpfigen Hund – als BDU-Emblem und Maskottchen. Mit Effektgeräten (und dem nötigen Klangkörper) kann man unglaubliche musikalische Wirkungen erzeugen. Für BDU waren es nicht mehr die Audiosignale eines Musikinstruments, die mit WahWah-, Flanger-, Delay-, Noisegate- oder Overdrive-Effekten moduliert werden. Es war die mentale, soziale und physische Charakteristik eines Menschen, kurz sein Daseinszustand, dessen In- und Output mit dem «Denkverstärker» («Thinking Booster»), dem Apparat für die «Hirnbalance» («Brain Equalizer»), jenem für sexuelle Anreize («Lust Station»), einem Manipulator fürs mentale Befinden («Mental Core») usw. verändert werden konnte. Drei Leuchtkästen FX (2008) erklärten per Bildschemata das Prinzip. Weitere A0-Computer-Collagen in Lichtboxen demonstrierten andere afunktionale Konstruktionen – in What U Want Is What U Want, Two Banana Men, Girl with Toilet, Anal-log und Ornamental Capital (alle 2008). IN DOG WE TRUST (2008) ließ Währungssymbole aus aller Welt zirkulieren. Was in der Installation Pistol (Toy model) (2008) erst als Loch in der Wand erschien und Besucher zum suchenden Hineinschauen verleitete, entpuppte sich hernach als gigantische Laufmündung samt Geschoss. Eine ebenso überdimensionierte, 2,5 Meter lange Dreifach-Steckdose (2008), ob nun Sinnbild für den Fetischcharakter der Ware, überbordende Produktion oder permanente Reproduktion, verweigerte gleichfalls ihre Dienste, war Opfer eines Kurzschlusses, sprühte hin und wieder Funken. BDUs riesiges, bedrohlich rotierendes Discokreuz (2008) erschien wie ein Sinnbild für die haltlos gewordene, überwältigende Welt des Pop-, vielleicht auch Papst-, sicher aber Kunst-Spektakels. Die Videoprojektion Neon Tetra (2008) ließ mit ihrer beschädigt flackernden Neonröhre das ornamentale Skateboardfeld am Boden blitzartig aufscheinen. Und in der Videodoppelprojektion Dual-not-duel (2008) sah man, wie in zwei getrennten Räumen, Rücken an Rücken, Naomi in voller Größe auf Nikos schoss und umgekehrt, während sich beider Abbilder vermischten. BDUs Interview mit Roger Behrens zu Popmusik, Kunst und beider gesellschaftliche Verwurzelungen ertönte im Radio Feature On a Spaceship With no Fuel and no Future (2006). Henrietta, Feuerzeug nach Helmut Newtons «Big Nude III» (2008) zeigte Newtons berühmtes Foto (1980) auf einem 2,2 Meter hohen Feuerzeug. Im Video Kitchenwars (2008) gerieten zwei Gasherde in Streit – ihr Kampf endete in einer Explosion. Und in Girls on CMYK (2008) wurden kurze Filmsequenzen – Videomaterial von einem Drag-Queen-Gesangsund Kostümwettbewerb – wechselnd in den CMYK-Farben ein- und ausgeblendet.