Pause the Pulse: Portrait of Accra

24. Juni  – 26. September 2010

Kofi Agorsor | Akirash | Bernard Akoi-Jackson | Kwadwo Ani | Galle Winston Kofi Dawson | Akwele Suma Glory | Tei Mensah Huagie | Nii Obodai | Jennifer Opare-Ankrah | Larry Otoo

Pause the Pulse : Portrait of Accra

Eingangsbereich

Ein Stadtporträt von Accra. Jennifer Opare-Ankrahs Installation Breadwinner widmete sich Accras Straßenhändlern, die einfach alles anbieten, um Essen für die Familie auf den Tisch zu bringen. Ihr Blickkontakt zum potenziellen Käufer im Auto ist dabei entscheidend. Das Motiv der mit Augen bemalten Brotscheiben kehrte in Future Lost wieder. Wenn Schrottsammler ihre Karren in jede Ecke Accras bewegen, hinterlassen sie – unbewusst – unauslöschliche Spuren, weil etwas vom Altmetall auf den heißen Straßenasphalt fällt und darüberfahrende Autos – wie in Sesa Beye (Collect to Create) – ein Muster formen, das sich in die westliche Welt zurückverfolgen lässt. In Accra Metal Scrap Boys malte Tei Mensah Huagie jene jungen Männer, die herumliegenden Schrott zum Verkauf sammeln. Huagies Kleinskulptur Young and Young Pregnancy gedachte der «vielen jungen Mädchen, die in der Schule sein sollten, aber eher auf den Straßen Accras mit ungewollten Babys und ohne Job enden.» Das Problem des Zuzugs aus ländlichen Gegenden nach Accra bebilderten die Leinwände Accra growing und From the City to the Village. Die Skulpturen Accra People und Me and My Story fertigte Huagie in Weimar. Sein Cloth on Cloth Tei Shop stellte ihn als Modedesigner vor, der aus weggeworfenem Stoff Hosen und Kleider, aus Plastikmüll und Eisverpackungen Taschen und Schildmützen und aus entsorgten Badelatschen Möbel und Westen nähte. Akirash thematisierte in Memories, einem Patchwork aus ausrangierten Floppy Disks, das Vergessen. Für Bend Down Boutique sammelte er Flaschenverschlüsse, Getränkedosen und Plastikverpackungen und machte daraus Taschen, Schuhe, Mützen, Hemden, Badeanzüge. Nii Obodais Fotoreihe Urban Accra Street Life zeigte Straßenszenen und Markttreiben in Accras Stadteilen Osu, Kaneshie, Tudu und Madina. Die Serie Zetaheal porträtierte eine Religionsgemeinschaft und die Energie ihrer Eintracht in einem Tempel Accras, in dem Christen und Moslems nach der Vision ihrer geistlichen Führerin Comfort Narh ihre Religion gemeinsam ausüben. Larry Otoos Gemälde Political Mani..Feast..O verurteilte Politiker, die mit Steuergeldern illegal der Völlerei, Geldgier, Korruption und Vetternwirtschaft frönen. Wie Arbeitslose und Migranten vom Land mitten in Accras Straßenverkehr Waren verkaufen, zeigte Mobile Traffic Market. Mit Anmut tragen Frauen ihre Waren auf dem Kopf, was Headpans and Gaze ins Bild setzte. Und wie jenes Internet-Netzwerk viele anonyme Gesichter, die hier der ghanaischen Fruchtbarkeitspuppe Akuaba nachempfunden waren, so einte das Bild Facebook die vielen Ethnien Accras. Mangelnde Teilnahme an der Schule, Aufmerksamkeit im Unterricht, zu große Schulklassen, unbefriedigender erzieherischer Effekt durch die Pädagogen, aber auch dass viele Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken, veranlassten Kwadwo Ani, mit Dictation und Educate the Girl Child die Beziehung zwischen Lehrern, Schülern und Eltern zu thematisieren. No Pain No Gain zeigte die harte (Transport-)Arbeit, mit der Jugendliche ihr Geld verdienen, Dialogue ein Meeting beim Chief eines Stadtviertels, Ohne Titel den Straßenhandel. Die Gemälde Carry Culture und Fear Woman brachten Kofi Dawsons Bewunderung gegenüber der Arbeit junger Straßenhändlerinnen zum Ausdruck. Das Mädchen Afua ließ ihn in Charcoal Fire den Malprozess mit dem Feuermachen vergleichen. Ähnlich einem antiken Obelisk war der Telecom Mast im Norden Accras für Dawson eine geschichtsträchtige Landmarke. June Fourth zeigte Ghanas Nationalfeiertag als kontroverse politische Feier. Ameisen, die Dawsons Wohnung eroberten, duplizierte er in Nohanoha aus Erdnussschalen und Draht. Bernard Akoi-Jacksons Bi n’ta! (Here I sit!) war das Tagebuch eines urbanen Nomaden, der voller Hoffnung in eine Stadt kam, aber in den Teufelskreis zwischen ziellosem Umherstreunen und Enttäuschung geriet. Die Leinwände Following ReD, der Wanderer (Ofl ifo) aus orangefarbenem Organdy, die Projektion F/W Remove Now! mit einer städtischen Räumungsaufforderung, das Arrangement Bi wy… [Accra Living by plan] – Das ist der Ort, an dem wir sind, das Gemäldetriptychon Mirage und das Performancevideo DOUGHMASTICATION zählten zur Konzeptarbeit. In vier abstrakten Gemälden der Serie Migration befasste sich Akwele Suma Glory mit «horizontaler und vertikaler Migration von Menschen, Objekten und Elementen.» Kofi Agorsors Gemälde Love Strike ließ Liebe auf Geister treffen, I Watch Her Sleep zeigte in ebenso rhythmischer, fein sinniger wie ans Abstrakte grenzender Sprache eine Schlafende. 1234 Parampampampaa rückte eine Situation zwischen Dunkelheit und Licht ins Bild, Thinking Game die Aufgabe «Wenn Du den Rhythmus mit allen Sinnen einholst, dann wirst du gewinnen» und Sleeping With Jazz die Aussage «Wer kann ohne Musik leben? In Accra schlafen wir alle mit dem Jazz. Jazz bringt uns zusammen.» Highlife-Musik ist, wie Wilma Kiener, Dieter Matzka und Alpha Yahaya Suberu in der Musik-Doku Who is Highlife? schilderten, der Rock’n’Roll Afrikas, und alles begann in Ghana. Burger Highlife, einen Soundmix von traditioneller Musik mit Disko und Funk, kreierten ghanaische Musiker in den Studios von Düsseldorf und Berlin. Burger-Highlife-Stars stellten ihre Hits, wie es zu dieser Musikfusion kam und damit ihr Land vor.

Jens Jarisch ging für sein Radio-Feature Kinder von Sodom und Gomorrha in das gleichnamige, auf Accras Stadtplänen nicht eingezeichnete Armutsviertel, das in Kot und Urin, Plastikschlamm mit Schwermetallen, hochgiftigen Dämpfen und Rauch aus der Abfallverbrennung erstickt. «Um mich herum zerschlagen Jungen, von denen der kleinste sechs Jahre alt ist, gebrauchte Computermonitore und andere Geräte mit bloßen Händen. Dann zünden sie die Schrotthaufen an. Wenn die Kunststoffe verbrannt sind, bleibt Kupfer übrig, für das sie etwas Geld bekommen …»

Zeitungsartikel:

TA: Neue Ausstellung im ACC zeigt Werke von Künstlern aus Ghana

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