Mit krimineller Energie - Kunst und Verbrechen im 21. Jahrhundert

25.08. bis 18.11.2012

Lourival Cuquinha (BR) | Nathalie van Doxell (FR) | Brock Enright (US) | Christoph Faulhaber (DE) | Florian Göttke (DE) | Adolfo Kaminsky (FR) | Ulla Karttunen (FI) | Oleg Kulik (RU) | Antonio Vega Macotela (MX) | Teresa Margolles (MX) | Ana Mendes (PT) | Ivan Moudov (BG) | Dorota Alicja Nieznalska (PL) | Anna Odell (SE) | Christian Gottlieb Priber (DE) | Nedko Solakov (BG) | Adam Tellmeister (CH) | Avdei Ter-Oganian (RU) | Trummerkind (US)

Mit Krimineller Energie - Kunst und Verbrechen im 21. Jahrhundert

Trummerkind: Captured in Paradise, 2012.

Dauer vom 25.08.2012 bis 18.11.2012

Lourival Cuquinha (BR) | Nathalie van Doxell (FR) | Brock Enright (US) | Christoph Faulhaber (DE) | Florian Göttke (DE) | Adolfo Kaminsky (FR) | Ulla Karttunen (FI) | Oleg Kulik (RU) | Antonio Vega Macotela (MX) | Teresa Margolles (MX) | Ana Mendes (PT) | Ivan Moudov (BG) | Dorota Alicja Nieznalska (PL) | Anna Odell (SE) | Christian Gottlieb Priber (DE) | Nedko Solakov (BG) | Adam Tellmeister (CH) | Avdei Ter-Oganian (RU) | Trummerkind (US)

Politikern, Polizisten und Staatsanwälten zum Trotz, das Deviante, Kriminelle und Mörderische sind unauslöschliche Bestandteile aller Gesellschaften. Ungeheure zivilisatorische Anstrengungen wurden von der archaischen Gesellschaft – in Form des Rituals und der Verbannung – bis zur modernen – in Gestalt des industriellen Gefängniskomplexes, der Sicherheitsindustrie und repressiver Architektur – aufgeboten, Normen, Ge- und Verbote aufrechtzuerhalten. Während die Zivilisation bemüht ist, das Gemeine, Gefährliche, Beängstigende zu unterbinden, ist der Trickster-Künstler vielleicht der Einzige, der – quasi stellvertretend – neben dem Verbrecher die Grenzen des Erlaubten, Wohlanständigen und Opportunen auslotet. Eine der Sozialfunktionen des Künstlers ist von Alters her die des Seismografen der Gesellschaft, er kostet vor, stapelt hoch, justiert neu, bricht Tabus, lebt und spielt vor, tut als ob, tauscht die Rollen, stellt (sich oder sein Umfeld) verquer oder auf den Kopf. Mitunter geht er dabei sehr weit, überschreitet Grenzen und Gesetze, mal als scheiternde Existenz, experimentierfreudiger Dilettant, Andersdenkender, Sehnsüchtiger mit Hoffnungspotenzial. Nicht selten wird er aus verschiedenen Motiven selbst zum Täter oder mimt einen Kriminellen, weil er nur durch das Verlassen der Norm seiner Botschaft genügend Ausdruck zu verleihen glaubt, wie André Breton 1930 in seinem Manifest definierend bestätigt: „Der einfachste surrealistische Akt besteht darin, mit dem Revolver in der Hand auf die Straße zu laufen und so viel man kann blind in die Menge zu schießen.“ Bereits die Romantiker waren versessen auf Banditen, Hexen oder die Femme fatale, die entweder eine Art Gesellschaft außerhalb der Gesellschaft oder irrationale und unkontrollierbare Leidenschaften verkörperten. In unserem Programm sind wir daran interessiert, Parallelen, Wechselwirkungen, Abgrenzungen im Verhältnis zwischen Kunst und Verbrechen aufzuzeichnen, wir möchten prüfen, ob, wie Joseph Beuys meint, Künstler und Verbrecher wirklich Weggefährten sind, weil beide über eine verrückte Kreativität verfügen, ohne Moral sind, nur getrieben werden von der Kraft der Freiheit. Dass dabei ein eigener Wirtschaftskreislauf mit Arbeitsplätzen und Renditen entstand, sei uns ein Indiz, dass Kriminalität nicht nur negativ zu Buche schlägt. Vor allem geht es aber darum, zu ergründen, auf welche Art kriminelle Künstler und künstlerische Kriminelle unser Sein „nutzbringend“ verändern, uns mit unkonventionellen Lösungsangeboten aus der „Alternativlosigkeit“ führen, Freiräume öffnen, wo die Diktatur der Angepassten herrscht, Tabuisiertes in den Mittelpunkt stellen, repressive Gewalt in reale (Auto)Aggression verwandeln, Überkommenes unterwandern.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Stiftung Federkiel für zeitgenössische Kunst und Kultur, Stadt Weimar, Förderkreis der ACC Galerie Weimar.

Zeitungsartikel über die Ausstellung

TLZ: "Ausstellung zum Thema Kunst und Verbrechen in der ACC Galerie"

TA: "Mit krimineller Energie" beginnt heute die neue Ausstellung im ACC Weimar

Weitere Veranstaltungen:

Dateien zum Beitrag

Audio: C. G. Priber (Earsinn 28. 10. 2012)

Ein Gespräch im Rahmen der Sendung EARSINN vom 28.10.2012 zwischen John Jeremiah Sullivan (Reporter für das The New York Times Magazine, GQ, Harper's Magazine, die Paris Review und andere amerikanische Zeitschriften), Christian Heilbronn (edition Suhrkamp), Frank Motz (Direktor der ACC Galerie und Kurator der Ausstellung "Mit Krimineller Energie - Kunst und Verbrechen im 21. Jahrhundert") über den Jurist Christian Gottlieb Priber (1697-1748) aus Zittau. Als Ethnologe, Frühaufklärer und Sozialutopist war er zu seiner Zeit so etwas wie ein weißer Rabe. Sein Entwurf eines idealen Gemeinwesens ist im 18. Jahrhundert das einzige uns bekannte Beispiel einer weltlichen Utopie unter einer Vielzahl religiöser Kommunen, obwohl er es wie die Frommen, vielleicht in polemischer Absicht, "Königreich Paradies" nannte. Moderation: Ronald Hirte