Does Humor Belong in Art?

Tymek Borowski (PL)

Young-Hae Chang Heavy Industries (KR)

Jannicke Låker (NO)

Yoshua Okón (MX)

Egill Sæbjörnsson (IS)

Bob and Roberta Smith (GB) 

u.a.

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Does Humor Belong in Art?

Bob and Roberta Smith: Piss Bar, 2012.

5.10.2014 – 28.12.2014

Humor als Ausdrucksform, Kulturprodukt, Kontaktmedium und Gemeinschaftsbildner, Existenzgrundlage alles Zwischenmenschlichen und Leidabwehrstrategie des Seelenlebens ist elementar und universal, entlastend und entwaffnend, unbestimmt und kryptisch, stimulierend und verführerisch, seltsam und schwer zu analysieren. Als subversiver Akt der Rebellion stellt der Humor die Starrheit unseres rational-logischen Denkens auf den Kopf, zielt auf die Hinfälligkeit des vermeintlich Endgültigen, indem er – ob nun mit den strategischen Mitteln der Andeutung oder Übertreibung, Albernheit oder Parodie, Irritation oder Ironie – alle festen Rollen und Einstellungen, Normen und Verpflichtungen dementiert. Die Methode, tradierte Ordnungsprinzipien, seien es gesellschaftliche oder ästhetische, auf humorvolle Weise in Frage zu stellen, um den Betrachter und seine Wahrnehmungsmuster zu verunsichern, lässt sich von der Avantgarde bis zur Postmoderne verfolgen. Dem zeitgenössischen Künstler, der sich des Humors bedient und durch eine ironische Unterwanderung eine gegebene, individuell oder allgemein gültige Logik zu hinterfragen versucht, ist die Ausstellung „Does Humor Belong in Art?“ gewidmet. Welchen Platz nimmt der Humor in der gegenwärtigen Kunstpraxis ein? Gehört Humor zur Kunst? Humor hatte in der sakralen Kunst nichts verloren, die klassische Kunst mied das Lachen, im frühen Christentum und Mittelalter war es verpönt, galt als unstatthaft – Jesus Christus hatte, so hieß es, nie gelacht auf Erden. Wenngleich zu allen Zeiten gelacht wurde, lehnt die „hehre“, „wahre“, „ernste“, „erhabene“, „zeitlose“ bildende Kunst – trotz ihrer langen Tradition des Humoristischen von Rembrandt van Rijn, Francisco de Goya und Honoré Daumier über Marcel Duchamp und René Magritte zu John Waters, Raymond Pettibon und Vik Muniz – nicht selten die Darstellung oder Auslösung dieses Gefühlsreflexes ab, wird ihr eine gewisse Humorlosigkeit zugeschrieben, möchte der Künstler seine Größe, Einzigartigkeit und Bedeutung nicht durch oberflächlichen Unernst auf’s Spiel setzen, neigen Kunstgeschichtler dazu, Humor zu umgehen. Oft findet Humor seinen Ausdruck in der Kunst durch die Überlagerung von visueller und sprachlicher Ebene oder Wortspiele, die Spiegelung des eigenen (Gesellschafts)Systems oder Kontextverschiebungen, das Umkehren von Sinn, Logik und gesundem Menschenverstand oder das Kollidieren verschiedener Wertesysteme, Alltagsrealitäten und Vorstellungen. Immer hängt, worüber man lacht, von den jeweiligen moralischen und ästhetischen Vorstellungen einer Zeit ab, auch in der Kunst. Nicht immer gibt es nur eine Pointe und manchmal wissen wir nicht, ob es in Ordnung ist, zu lachen oder nicht, ob ein Kunstwerk gleichzeitig voller Humor und kritisch sein kann oder ob sich Gegenwartskünstler immer ernst nehmen. Oder ob es wirklich „keine größere Macht als die Macht des Lachens gibt“1 („Die Macht ist stark – stärker das Gelächter“2), ob also im Humor, auch dem in der Kunst, eine gesellschaftliche oder politische Sprengkraft verborgen sein kann. Oder ist er Erlöser, Ermöglicher, Mutmacher, Trost – und zuweilen auch, „wenn man trotzdem lacht“3? Oder ist „Humor einfach eine komische Art, ernst zu sein“, wie der Schauspieler Peter Ustinov einmal meinte? Humor ist – in all seinen Facetten – ambivalent. Während man durch versöhnliches Scherzen einen Streit zu schlichten vermag, sind stichelnde Ironie und bitterer Sarkasmus schnell dessen Auslöser. Als die „siegreich behauptete Unverletzlichkeit des Ichs“4 ist Humor, klug eingesetzt, Schutzschild und Waffe zugleich, ein Instrument, das uns erlaubt, über Leiderfahrung, Missstände und Todesfurcht zu triumphieren, der finale Rettungsring, wenn Zweifel, Skepsis und Ausweglosigkeit drohen – und wirkt, laut Freud, ganz nebenbei stressabbauend. Der Humor – meist viel zu schnell abgetan als Ventil der Unterhaltungsindustrie zur feierabendlichen Zerstreuung – ist vielmehr eine notwendige Überlebensstrategie. Wer zuletzt lacht, lacht am längsten. Doch ist Humor so nicht nur Gegenstand philosophischer Auseinandersetzungen mit der Welt, sondern hielt längst Einzug in andere Gefilde. In psychiatrischen Therapien bietet er die Basis eines zwanglosen, emotionale Knoten und Hemmungen lösenden Umgangstons, der kreatives Potenzial wecken und Perspektivverschiebungen anregen mag. Generell ist die anthropologische Funktion des Humors offensichtlich und allgegenwärtig: er ist unabdingbare Grundlage für Freund- und Partnerschaften, wirkt anziehend – und ist so ein wichtiges Verbindungsglied zwischen uns und unserem Gegenüber. Jannicke Låkers cineastische Minidramen zeigen die Tragikkomödien des Alltags, Young-Hae Chang Heavy Industries fragen sich, ob sie als Teilnehmer einer Humor-Ausstellung noch ernst zu nehmen seien, Egill Sæbjörnssons poetisch-komische Multimediainstalltionen erwecken alles zum Leben, was sich in ihrer Nähe befindet, für Yoshua Okón machen Polizisten aus L.A. Yoga, Tymek Borowski erklärt in aller Albernheit „How Art Works“ und Bob and Roberta Smith eröffnen eine „Piss Bar“.

1 Hugh Greene / 2 Heinrich Lützeler / 3 Otto Julius Bierbaum / 4 Sigmund Freud

 

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