WARTIFACTS

Till Ansgar Baumhauer und Gäste

Helga Bahmer DE

Massum Faryar AF

Jeanno Gaussi AF/DE

Hekmatullah Ghulami AF

Mohammad Ibrahim Habibi AF

Wekil Ahmad Hakkani AF

Astrid Lange DE

Amir Mohammadi AF

Aman Mojadidi US/AF

Said Abdul Khalil Roein AF

Faramerz Sarwari AF

Radmehr Sayfuddin AF

Daniel Schwartz CH

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WARTIFACTS

11.1.2015 bis 8.3.2015

Die Einzelausstellung WARTIFACTS zeigt in 20 räumlichen Situationen auf 300 qm erstmalig und flankiert von einer Publikation in 120 Werken und ethnologischen Objekten die Ergebnisse Till Ansgar Baumhauers 5 Jahre währenden künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Kriegserfahrung und deren visueller Umsetzung.

Ausgehend von mehreren Aufenthalten zwischen 2009 und 2011, ist Afghanistan zum Kulminationspunkt seiner künstlerischen Kooperationsprojekte, individuellen Werke sowie Untersuchungen im Grenzbereich zwischen künstlerischer Forschung, Ethnologie und Kunstgeschichte geworden. Als Künstler versteht sich Baumhauer – abgesehen von seiner eigenen Produktion von Artefakten – auch als Stifter interdisziplinärer und interkultureller Dialoge. Die ACC-Ausstellung verwebt diese Aspekte miteinander und erweitert seine Gedanken, Inhalte und künstlerischen Arbeiten dialogisch, indem 12 internationale Künstlergäste eingeladen wurden, deren Werk mit Baumhauers korrespondiert.

Seit dem militärischen Eingreifen sowjetischer Truppen in Afghanistan (1979) ist die islamische Republik ein internationaler Krisen- und Konfliktherd, seit 2002 sind auch deutsche Truppen am Hindukusch im Einsatz. Deutsche Medien besprachen seitdem das Geschehen in Afghanistan fast ausnahmslos negativ, die topografische und kulturelle Kluft zwischen dort und hier noch vertiefend. Mit der Ausstellung will Baumhauer, indem er versucht, an den Barrieren zwischen Vertrautem und kulturell Fremdem zu rütteln und jegliche Hierarchie zwischen erster und dritter Welt wie auch jeden neokolonialen Gedanken auszuhebeln, den interkulturellen Dialog auf alternativer Ebene und Augenhöhe neu eröffnen und dem resignativen Zeichen eines militärischen Rückzugs eine andere Form des Engagements entgegensetzen. Ein Ausgangspunkt dieses Engagements ist die Überlegung, dass sich auch unsere Region Mitteleuropas auf eine, wenn auch 300 Jahre zurückliegende, dreißigjährige Kriegserfahrung „stützen“ kann, deren Konflikte, Erinnerungspotenzial und Bildsprache ebenso im kulturellen Gedächtnis des Volkes verankert und unvermuteterdinge mit jenen des gegenwärtigen Afghanistan vergleichbar sind – wodurch der hiesige Betrachter seine „kulturell determinierte Überheblichkeit“ abzuwerfen sich in der Lage sehen könnte.

Die Ausstellung umfasst eine Auswahl der Werkgruppe und zeichnet Baumhauers Werkweg der letzten fünf Jahre nach, in denen er sich mit Visualisierungsformen von Langzeitkriegserfahrungen auseinandersetzte. Dazu zählen Installationen, Interventionen an afghanischen Teppichen, Künstlerkooperationen mit afghanischen Kunsthandwerkern und Künstlern, ethnologische Objekte aus Afghanistan und Kriegsteppiche (die während und nach der Zeit der Sowjetbesatzung Afghanistans entstanden und kriegerische Motive in Teppichornamentik überführen), antisowjetische Flugblätter der 1980er und solche der US-Truppen – zu Propaganda- und Informationszwecken von Flugzeugen abgeworfen –, Feldpostkarten und weitere Artefakte, die die Sicht der ISAF auf ihren Einsatz in Afghanistan aufzeigen. Hinzu kommen Malereien afghanischer Künstler, die die Situation in ihrer Heimat, die Langzeitkriegserfahrung spiegelnd, thematisieren und dokumentarische sowie Künstlerfotografien und der Videotrailer zu einem Dokumentarfilm über afghanische Kriegsteppiche der Hamburger Filmemacherin Helga Bahmer.

Austausch und Korrespondenz zwischen der ACC Galerie Weimar und Baumhauer bestehen seit 2011. Das stark politisch engagierte Profil des Kunstvereins und das Verständnis Baumhauers Kunstpraxis, die aktiv politische Handlungsräume öffnet, sind aus sich selbst heraus seelenverwandt. Baumhauer promoviert zur Zeit als bildender Künstler an der Bauhaus-Universität Weimar. Die Ausstellung wird so zu einer Zeit realisiert, in der er zusätzlich seine Promotion verteidigen wird – eine weitere Option, Interferenzen zwischen Kunst und Wissenschaft und Möglichkeiten künstlerischer Forschung als neuer sowohl künstlerischer wie geisteswissenschaftlicher Disziplin auszuloten.

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