Das ACC als 
soziokulturelles Zentrum.

Das ACC als 
soziokulturelles Zentrum

Mit Euren Ideen wird unser Haus Goethes bester Wohnsitz werden. Günther Zorn (1939-1995), 23. März 1989

Der gemeinnützige Verein ACC Galerie Weimar e.V. widmet sich in Ausstellungs- und Vermittlungsprojekten sowie mit einem jährlichen thematischen Atelierprogramm der Förderung zeitgenössischer Kunst und Kultur. Die ACC Galerie Weimar versteht sich als eine Plattform für die Diskussion gesellschaftlicher Fragestellungen vermittels künstlerischer Projekte, die Diskussion inspirieren und anregen. Der Verein möchte das Schaffen und die Themen zeitgenössischer Künstler*innen vorstellen und war dabei von Beginn an international aktiv. Ziel der Aktivitäten ist es, durch künstlerische und medienübergreifende kulturelle Projekte Menschen jeden Alters für eine Diskussion über gesellschaftliche Themen zu gewinnen, „Möglichkeitsräume“ zu eröffnen und anhand von Kunst, Literatur, Musik und Begegnung – quasi durch ein symbolisches Fernglas – Horizonte für neue Gemeinsamkeiten zu erspähen. Der Verein setzt jährlich soziale und politische Themen, die einen gesellschaftlichen Diskurs in Gang setzen wollen, der die Stadtgesellschaft mit globalen Fragen „infiziert“ und Austausch provoziert. Der ACC e.V. wurde mit dem Weimar-Preis, dem Kulturpreis Thüringens und dem Art-Cologne-Preis der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine ausgezeichnet.

Die ACC Galerie Weimar entstand 1988 quasi aus dem Nichts in einem instand besetzten Goethehaus in Weimars Mitte – ein bis heute nicht ausgeträumter Traum. Was mit Kostümpartys und Ausstellungen von Milchverpackungen oder Comics begann, fand seine Fortsetzung mit Ausstellungen von Photographien am Bauhaus oder Paul Klees Weimarer Werken 1921-25. Bereits in den 1990ern war das ACC bekannt für seine Seitensprünge, entdeckte das Weimarer E-Werk und Straßenbahndepot als kulturelle Spielstätten, in denen es Poetry Slams und Theatertage veranstaltete. Selbst die 1991er-Geburt des Seifenkistenrennens Spacekidheadcup geht auf ACC-Aktivist*innen der ersten Stunde (Gabi Hultsch und Peter „Auge“ Lorenz) zurück. Inzwischen zelebriert das ACC am 1. Mai sein alljährliches Sternbrückenfest, eine Liebeserklärung an eine Stadtschönheit mit Musik, Kaffee, Kuchen, Suppe und Brezeln. Ein Stelldichein anderer Art sind die Arkadischen Massenhochzeiten ganz in der Nähe, am Naturquell des Ochsenauges im Ilmpark, bei denen sich zueinander hingezogen fühlende Menschen „auf platonischem Level“ vermählen können. Lebenslustige erhalten Visa. Sinnsuchern und eiskalten Realisten wird Asyl gewährt, um nicht das Weite suchen zu müssen. Das wiederum steuern die ACC-Busentdeckungstouren ins Außen vor an, zu den Rändern Weimars, an Orte fern des Rampenlichts öffentlicher Wahrnehmung, und kehren damit die Idee der klassischen Stadtrundfahrt einfach um. Wieder im ACC, kann man mit Anke Heelemann von der Weimarer Fotothek einen improvisierten Lichtbildererzählabend der Reihe Der Freund und der Fremde gestalten – es gilt, aus dem Stegreif zu zehn zusammenhanglosen, gefundenen Dias binnen zehn Minuten eine Geschichte zu erfinden. Und zu den Silent Partys verwandelt sich die Galerie in ein Tanzlokal. Ob rhythmisch oder aus der Reihe getanzt: Sich bei eigener Kanalwahl ausdrucksstark bewegend in kompletter Stille Kunstwerken zu nähern, ist eine ganz eigene Erfahrung – die wahren Abenteuer sind im Kopf(hörer).

Auch unbetanzt füllen die zwanzig Ausstellungsräume eine Fläche von 400 Quadratmetern in fünf ehemaligen Wohnungen zweier miteinander verbundener Wohnhäuser und sahen von 1989 bis 2020 mehr als 250 teils internationale Ausstellungen vorwiegend zeitgenössischer Kunst (vier bis sechs pro Jahr, verantwortlich: Frank Motz). Die elfte Ausstellungskooperation mit dem Kunstfest Weimar (seit 1991), ein Ausstellungsreigen im ländlichen Raum namens Vom Glück der Provinz, findet vom 27. August bis zum 29. November 2020 statt. Über einen Teil der wichtigsten Ausstellungen informiert das Buch ACC – Die frühen Jahre – 1988 bis 2011.

Die ACC Galerie Weimar bietet in ihren Räumen (und manchmal andernorts, wie in der Notenbank) ein Veranstaltungsprogramm (verantwortlich: Ulrike Mönnig) mit Reihen wie Brotlose Kunst, A Kids Headquarters, Galeriekonzert, Landpartien, Autorenlesung, Plus zur aktuellen Ausstellung, Kunst, Spektakel & Revolution oder Monday Night Lectures an, über das ein monatlich erscheinendes Faltblatt informiert.

Das weltweit ausgeschriebene Internationale Atelierprogramm der ACC Galerie und Stadt Weimar (verantwortlich: Frank Motz) geht ins 27. Jahr. Das dienstälteste Künstlerresidenzprogramm Thüringens wechselt jährlich sein Thema (2020: Heimat | Homeland, 2021: Rückzug | Retreat). Jährlich sind drei von einer internationalen Kunstfachjury ausgewählte Gastkünstler*innen für jeweils vier Monate in Weimar zu Gast (bislang waren es 76 Künstler*innen aus 41 Ländern), leben und arbeiten im Städtischen Atelierhaus, erhalten 1.000 Euro Stipendium monatlich und stellen ihre in Weimar entstandenen Arbeiten im Folgejahr im ACC aus.

Zur finanziellen Unterstützung der Kulturarbeit des ACC dient ein Förderkreis, der nach dem Goethe entlehnten Motto Engel sei der Mensch, hilfreich und gut! permanent neue Mitglieder sucht, die dem Verein als 365-Tage-Engel 365 Euro im Jahr spenden. Werden Sie Mitglied im Förderkreis des ACC! (Spenden sind steuerlich abzugsfähig.)