Spracherneuerung!

Nächste Ausstellung: Spracherneuerung!

23. August 2019 - 10. November 2019 | Eröffnung: 22. August, 20 Uhr

Spracherneuerung! Eine akustische Rauminstallation
Eine akustische Rauminstallation mit Texten von Adolf Behne, Siegfried Ebeling, Franz Fuhrmann, Frank Matzke u. a. Mit einer künstlerischen Intervention von Matthew Lloyd | Ausstellungskonzept und -gestaltung: Janek Müller | Ideenentwicklung und Konzeptberatung: Angela Egli-Schmidt, Torsten Blume | Sprecher: Olaf Helbing u. a. | Technische Konzeption und Realisierung: Bastian Späth | Ausstellungsbau und -technik: Sebastian Hühmer, Tobias Schillinger | Veranstaltungen: Ulrike Mönnig | Projektverwaltung: Karin Schmidt.
Gefördert durch die Thüringer Staatskanzlei, die Sparkassen-Stiftung Hessen Thüringen, den Fonds Soziokultur, die Stadt Weimar und den Förderkreis der ACC Galerie.

Immer suchen wir nach den richtigen Worten und meistens finden wir sie nicht. Im politischen Raum soll Sprache sensibel sein und erregt als radikale Sprache doch aktuell die Gemüter wie lange nicht. In beruflichen Meetings soll unsere Sprache sachlich und professionell sein und ist doch oft das Vehikel der Konkurrenz. Im privaten Raum möchten wir gerne vertraut und authentisch klingen, und sind uns doch oft über die Gefühle, die wir in Sprache fassen könnten, gar nicht im Klaren. Durch Sprache entsteht die Welt, in der wir sind. Wie wir mit-, über- und gegeneinander und schließlich in die Welt hinein sprechen: Sprache informiert uns täglich über den Zustand der Welt, in der wir sind und in der wir nach den passenden Worten suchen. Das war in den 1920er-Jahren nicht anders als heute, weshalb es auch am Bauhaus nicht nur um Gestaltung ging, sondern auch um eine Sprache für das «Neue» — in der Erfindung neuer Wörter, der Abwahl alter, in der Schreibweise («alles klein schreiben!»), in neuer Syntax, im Weglassen der Verben, in mitreißender Propaganda … Vor allem aber ging es darum, eine wirksame Sprache des «Neuen» zu erfinden. Adolf Behne (1885 –1948) schrieb mit Verve über moderne Architektur und Gestaltung. Er wurde zum Ghostwriter des Bauhaus-Direktors Walter Gropius. Siegfried Ebeling (1894 –1963) spekulierte über das «Haus» der Zukunft, indem er die Wände eines jeden Hauses als Membranen, als durchlässige Flächen, als Kommunikatoren beschrieb. Neben diesen treffen die Besucher(innen) der Ausstellung auf Ernst Fuhrmann (1903 –52), Begründer der Biosophie und Fotograf, der die Philosophie mit der Biologie zu verbinden suchte, oder auf den Journalisten Frank Matzke (1903 –52), der die Gefühle der jüngeren Generation am Ende der Weimarer Republik sprachlich fasste. In seinem Manifest Jugend bekennt! So sind wir (1930) heißt es sachlich: «Wir tragen unsere Gefühle nicht zur Schau.» Sie alle und viele andere Autor(inn)en waren Protagonisten, die das «Neue» in eine Sprache «übersetzen» wollten. Von naturnah-lebensreformerisch bis rational-technisch reichten die Vorstellungen über das neue Erscheinungsbild der Moderne, die sich in den 1920er-Jahren etablierten — nicht zuletzt am Bauhaus. Gestaltung für den neuen Menschen bedeutete jedoch auch Erneuerung der Sprache. Denn wer möchte schon mit alt gewordenen Worten die neuen Möbel aus gebogenen Stahlrohr beschreiben oder das coole Gefühl derjenigen, die darin Platz nehmen sollen? In einer begehbaren akustischen Installation treffen die Stimmen, Texte, Gedanken der Spracherneuerer der 1920er Jahre aufeinander und verwandeln die ACC Galerie in eine Galerie der Wörter. In diesem Raum zeigt der Künstler Matthew Lloyd zudem ein neues, raumgreifendes Werk aus seiner typografisch-philosophischen Reihe von grafischen Textarbeiten. Im Verlauf der Ausstellung finden Sprach- und Farb-Workshops und Veranstaltungen statt. Im Oktober erscheint eine Publikation, die Texte zeitgenössischer Autor(inn)en versammelt.

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Language Renewal!

At the Bauhaus, language was subjected to just as much fundamental and compositional experimentation as were colours, forms and building materials. The ACC Gallery Weimar proclaims: Language Renewal! and invites contemporary artists to Weimar.