Linda Pense | 3. Stipendiatin

Linda Pense: ohne titel, 2016.

Vom Oktober 2019 bis Januar 2020 wird die in Leipzig lebende Künstlerin Linda Pense (*1981) als dritte Stipendiatin des 25. Internationalen Atelierprogramms der ACC Galerie und der Stadt Weimar (Thema: 100 Jahre Bauhaus – Von Sprache und Bild und Schriftbildkunst) im Städtischen Atelierhaus Weimar wohnen und arbeiten. Während jener vier Monate setzt sie sich mit der Visualisierung von in literarischen Texten beschriebenen utopischen Inseln als grafische und sprachliche Gefüge und mit deren Verdichtungen in imaginäre Landschaften als räumlich-plastische, körperlich-grafische und wörtlich-lebendige Gewebe und eigensinnige Texturen auseinander. In ihrem Projekt Dichte Inseln übersetzt sie Inseln der literarischen Utopien als kleine natürlich-gesellschaftliche Miniatursysteme in grafisch-sprachliche Beziehungsordnungen. Anknüpfend an ihre 2018 entstandenen zeichnerischen und druckgrafischen Arbeiten im Projekt the tempest (nach William Shakespeare) lässt sie in ihren Zeichnungen und Druckgrafiken nicht nur Ortsbezeichnungen oder Beschreibungen der utopischen Inseln strukturell einfließen. Wichtiger noch als Ortsdarstellungen und Lokalisierungen sind ihr die in den utopischen Kontexten auszumachenden Handlungsperspektiven, die sich in Worten und "tropischen" Formgebungen freilegen lassen. Dabei begreift sie zum Beispiel die Namen der Handelnden, wie im tempest / Sturm den Eingeborenen Caliban, die Hexe Sycorax oder den Luftgeist Ariel, als namentlich verwandelte Adjektive, durch die sich dann grafische Handlungen, Prozesse und zeichnerische Bewegungen motivieren. Strukturell ist dies teilweise jenen Versuchsanordnungen und Verfahren ähnlich, wie sie Ernst Kállai für Bildgedichte oder Laszlo Moholy-Nagy für typografische Fotoplastiken („Typofotos“) am historischen Bauhaus angewandt haben. So wie sie das Experimentieren mit der verschriftlichten Sprache in ihre Typografie und ihr Grafikdesign einfließen lassen haben, öffnet Linda Pense ihre zeichnerische und druckgrafische Arbeit für Verwortungen und räumliche Schriftbewegungen. Inseln sind für utopische Literaten nicht zuletzt deshalb ein bevorzugtes Motiv, weil sie es als abgeschiedene Gelände ermöglichen, einen jeweils weitgehend eigenständigen Mikrokosmos der Welterneuerung, der zumeist auch eine Spracherneuerung ist (die oft mit betont eigenartigen Namen der Akteure beginnt), probeweise zu entwerfen.

Anneke FSJ (13.03.2019)