Solidarität — jetzt erst recht. Solidarity — now more than ever (2018)

24. Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar | 24th Studioprogram of ACC Galerie and the City of Weimar

Die Stadt Weimar und die ACC Galerie sind auch 2018 wieder Gastgeber für drei Künstlerinnen und Künstler, die im Rahmen des 24. Internationalen Atelierprogramms für jeweils vier Monate im städtischen Atelierhaus leben und arbeiten werden.

Die diesjährige Ausschreibung trug den Titel „Solidarität – Jetzt erst recht“, und fragte nach Zusammenhalt, über Herkunft und Glauben hinweg, als Methode zur Weltrettung in einer immer mehr in Bewegung geratenden Welt.

Bewerbungen aus 37 Ländern hat eine internationale Fachjury am vergangenen Wochenende im ACC bewertet. Die Jury bestand aus: Susanne Altmann, freie Kuratorin, Dresden; Gottfried Hattinger, freier Kurator, Ottensheim, Österreich; Julia Schäfer, Kuratorin und Kunstvermittlerin, Galerie für zeitgenössische Kunst (GfzK) Leipzig; Prof. em. Dr. Karl Schawelka, Professur Geschichte und Theorie der Kunst, Bauhaus-Universität Weimar und Ursula Seeger, Referentin für bildende Kunst bei der Kulturdirektion der Stadt Weimar.

Die Jury hat sich für folgende Künstler*innen entschieden:

Kurchi Dasgupta (*1974 in Indien, lebt und arbeitet in Nepal)
Mit ihrem geplanten „Book of Survivors“ (Das Buch der Überlebenden) wird die Künstlerin Menschen besuchen, die eigene Erfahrungen mit Flucht, Vertreibung und humanitären Katastrophen haben - sowohl vorab in ihrer Heimat wie auch dann in Weimar. Ihr besonderes Interesse gilt der älteren Generation, die hier noch von den Erfahrungen des zweiten Weltkriegs geprägt ist und dieses Wissen an die nächsten Generationen weitergeben können. In Gesprächen finden Dasgupta und ihre Interviewpartner gemeinsam zu sehr persönlichen, prägnanten Bild- oder Textformeln des Überlebens. Als Malerin und Zeichnerin interessiert sich die indische Künstlerin für einen detailreichen, erzählenden Stil, der auch an traditionelle Miniaturen erinnert. Sie transportiert diese Bildsprache jedoch ganz entschlossen in die Gegenwart. Mit der Konzeption eines Gesprächsbuches lässt sie sich bewusst auf die intime Situation einer persönlichen Erzählung ein.

Matthew McCarthy (*1992, Jamaika)
Vor allem beeindruckte die Jury McCarthy’s fantasievolle, opulente, saftige Farben- und Formensprache, die er sowohl im öffentlichen Raum als auch in Galerieräumen wirkungsvoll zum Einsatz bringt. „Solidarity“ ist der Titel eines populären Reggae Songs in Jamaika, auf den sich der Künstler für sein Projekt in Weimar beziehen wird, verbunden mit bildhaften Appellen für eine solidarische „global come-unity“. Weimar darf sich freuen auf ein energetisches „Jamaika-Bündnis“ mit starken Bildmotiven und auch musikalischen Interventionen: „What’s the matter, people?“!

Oliver Musovik (*1971 Mazedonien)
Oliver Musovik kommt aus Skopje, der Stadt der „Internationalen Solidarität“, was darauf zurückgeht, dass die Stadt 1963 nach einem Erdbeben internationale Hilfe erfahren konnte, und sich 78 Länder daran beteiligten, die zu 80% zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Musoviks künstlerische Arbeit untersucht Orte von Gemeinschaften. Ihn interessieren Zusammenhalt und soziale Bündnisse. Seine Fotoprojekte, Installationen und Texte spüren diese auf und stellen sie in einen größeren Kontext solidarischer Projekte weltweit. In Weimar möchte er nach solchen Orten Ausschau halten. Das könnten Gemeinschaftsgärten, Parks und andere Schauplätze sein. Musovik hat die Jury durch eine klare künstlerische Haltung und Stringenz sowie dem wirklichen Interesse und Sensibilität im Umgang mit dem Thema des diesjährigen Stipendiums überzeugt.

1994 von der ACC Galerie und der Stadt Weimar ins Leben gerufen, ist das Internationale Atelierprogramm das älteste seiner Art im Freistaat Thüringen. Bislang waren 66 Künstlerinnen und Künstler aus 34 Ländern in Weimar zu Gast.