BERLIN, BERLIN

01. Januar bis 20. Januar 1990

Einzelausstellung von Karin Wieckhorst (DE)

BERLIN, BERLIN

Ostberlin, 1990

Die Aufnahmen für BERLIN, BERLIN waren 1983 – 86 in Ost- und 1987 in Westberlin entstanden. Beide Teile der Stadt wurden in der Galerie räumlich getrennt voneinander gezeigt. Ein Dienstvisum des Verbands Bildender Künstler der DDR zum Besuch der Giacometti-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie gab Karin Wieckhorst die Möglichkeit, ihre Ansichten Westberlins – einer damals fremden Stadt –, die einem Blick durchs Schlüsselloch glichen, festzuhalten.

Karin Wieckhorst drang ein in Räume des Verkehrs, die selbst Teil der Kommunikationssysteme einer Stadt sind, wenn auch deren Akteure, Teilnehmer und Passanten fehlten, was wiederum Anonymität und Flüchtigkeit des städtischen Alltags assoziierte. Wege, Treppen und Durchgänge waren spürbare äußere «Festlegungen» dieses Kommunikationsnetzes. Karin Wieckhorst fotografierte somit nicht das soziale Subjekt, sondern dessen Rahmen als bauliches Flechtwerk, das ein Abbild des Menschen, ein Menschenbild, spiegelte. Ihr Interesse galt z. B. Verkehrsebenen, dem Unten und Oben zwischen U- und S-Bahn, das für Berlins Stadtleben bestimmend sein kann. Sie fand diese Motive, diese Stadt und deren Bildstrukturen beiläufig, im Unterwegs-Sein. Um reale Situationen in ihrer Stimmung erfassen zu können, arbeitete Karin Wieckhorst mit dem vorhandenen Licht, ohne zu blitzen. Die Gegenläufi gkeit der Galerieräume wirkte sich anregend auf die Gruppierung der Bilder aus, die versuchte, formale Bildvorgaben rhythmisch mit- oder gegeneinander schwingen zu lassen. Den Menschen hatte die Fotokünstlerin mit diesen Aufnahmen nicht als Gegenstand verloren.