Wir waren die neue horde

09. Oktober bis 28. November 1999

Einzelausstellung von Bodo Korsig (DE)

Bodo Korsig (DE)

Skulpturen

In Korsigs erster ACC-Ausstellung Holzschnitte (1991) dominierten die großen Holzschnitte Lass deinen Drachen steigen (1990), Unsereinem ist wie weinen, aber warum weinen, Linientreu, Skrupellosigkeit, Der Trieb (alle 2 x 1 m, 1991). Ihre komplexen, maschinenartigen Formen, gedruckt aus zugesägten, schwarz gehaltenen Holzplatten, verwuchsen zu abstrakten Vielgestalten, die sich als Druckstöcke Anfang und Ende (1991) im Dreidimensionalen fortsetzten. Auch für Inkognito (1993) verfremdete Korsig die traditionelle Holzdrucktechnik, nutzte Holzkisten, Dielen, Schranktüren, aus denen er flächige, chiffren- und hieroglyphenhafte Formen sägte, die eingefärbt und per Hand, Falzbein, Presse oder Dampfwalze auf Papier oder Leinwand ab gezogen oder zu Skulpturen kombiniert wurden. Die Lehne eines Holzstuhles, der Wandschatten eines Plastikkleiderbügels oder die gedrehten Stränge eines Stahltaues waren Formen, die Korsig unterwegs sammelte und in sich «gedeihen» ließ, bis deren Filtrat als Werk in Suchen und Zerstören (1995) scheinbar die verborgene Kommunikation der Dinge untereinander – mitunter auch als Tentakeln, Pflanzenkeime, Blutkörperchen – in den Leinwänden Vangelis 1492 (1995), den Serien Seelenwanderung (1995) und Rückerinnerung (1995) oder der Skulptur LAISSER-PASSER (1995) zu entschlüsseln suchte. wir waren die neue horde (1999) mit Korsigs erstem Holzschnitt-Künstlerbuch zu den wortgewaltigen, lyrischen Texten von Scardanelli rief – deutungsoffen und verrätselt – Assoziationen zu Gewalt, Aggression und Tod wach. Sein Künstlerbuch Letter from Marina (1999) hatte er mit John Yau erarbeitet.