Heimat. Homeland.

Geöffnet gemäß aktueller Bestimmungen bis zum 30.5.2021

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Heimat. Homeland.

Mikhail Lylov: «The Broken and The Repaired», 2020.

Die Stipendiat*innen des 26. IAP von ACC und Stadt Weimar: Mikhail Lylov (RU) + Gäste: Elke Marhöfer (DE) + bellu&bellu (DE)| Rosa Nussbaum (DE/GB) + Gast: Kevin Brophy (US) | Paul Wiersbinski (DE) + Gast: Behrang Karimi (IR/DE)

Geöffnet gemäß aktueller Bestimmung bis 13.06.2021

Die Stadt Weimar und das ACC waren auch 2020/21 wieder Gastgeber für drei Künstler*innen, die im Rahmen des 26. Internationalen Atelierprogramms mit dem Thema Heimat. Homeland. für jeweils vier Monate im Städtischen Atelierhaus lebten und arbeiteten. Die Ausschreibung richtete sich 2019 auf den so vieldeutigen und mittlerweile wieder intensiv diskutierten Begriff Heimat, der von jenen Stipendiat*innen — Mikhail Lylov, Rosa Nussbaum und Paul Wiersbinski — künstlerisch zu erkunden war. Rosa Nussbaum war aufgrund der Coronapandemie gezwungen, von Philadelphia aus zu arbeiten. Die Ausstellung wird geöffnet, sobald die Regelungen es zulassen. Heimat — ein hierzulande historisch überaus positiv konnotierter Begriff — wird oft vereinnahmt; die dahinterliegenden Aspekte, Konnotationen und Assoziationen gelten in ihrem Zusammenspiel aber als genereller Teil der conditio humana: man denke an die Dynamik der Verhältnisse von Verwurzelung zu Entwurzelung, von lokaler Herkunft zu räumlicher wie ideeller Entfernung vom Herkunftsort, von Bindungs-kräften an Familie, Sprache, Region, (National-)Kultur zu Fliehkräften, die diesen entgegenwirken. Neuere Renationalisierungsbestrebungen haben der Heimatdiskussion neue Nahrung gegeben. Angetrieben von verstärkter Migration und (anderen) Globalisierungsfolgen und damit verbundener Verlust- und «Überfremdungsangst», reklamieren konservative Kreise nicht nur ein grundlegendes Recht auf Heimatverbundenheit, sie erklären lokale Bevölkerungen geradezu zu Opfern, wodurch weitergehende Abwehr des/der Fremden verständlich oder sogar legitim sei. Kritiker*innen dieses Denkens unterstreichen, dass Heimat als heile Welt eine Illusion ist, wenn um diese herum das Unheil herrscht. Andere präferieren, den Begriff Zuhause zu verwenden, was Weiteren widerstrebt, weil so der Heimatbegriff dem Nationalismus überlassen werde.

The Broken and The Repaired | Mikhail Lylov

Mikhail Lylov hat das Thema Heimat mit Fragen der biologischen Vielfalt, der Kulturgeschichte und des «Gärtnerns» identifiziert und sich in seinem Projekt The Broken and The Repaired der Technik des Pfropfens bedient, also des Veredelns von Obst, das nur durch die Regenerationsfähigkeit der Pflanzen ermöglicht wird, in diesem Falle mittels der Verwendung von Zweigen verschiedener Apfelbäume. Durch diese Art der Transplantation bekamen die Zweige gleichsam eine neue Heimat, wuchsen weiter und führten Eigenschaften mit denen einer anderen Pflanze zusammen. Das Projekt gipfelte in der Züchtung zweier aus mehreren Sorten (jene mit den meisten unterschiedlichen Namen, deren Heimat unbekannt ist und jene von konkreten Thüringer Orten, deren Sortennamen nicht bekannt sind) gekreuzter Apfelbäume. Der Projektfilm Spleiß und Zunge beschäftigt sich ein Projektfilm mit der Landschaft Thüringens und diskutiert die Bedeutungen des Wortes «culture» in «agriculture». Vier Baumskulpturen, die konzeptuelle Aspekte der Gartenarbeit spiegeln und die Kombination verschiedener Bäume zu einem neuen Körper künstlerisch visualisieren, und sechs Fotografien rahmen die Präsentation. Zudem lud Mikhail Lylov seine Künstlerkollegin Elke Marhöfer ein, neun Keramikgefäße auszustellen sowie das Künstler-Duo bellu&bellu ihre Anarchistischen Porträts zu zeigen.

Heimat ist für Mikhail Lylov ein Ort, den er nicht zu verlassen fürchtet, weil er dorthin zurückkehren wird. Ein Ort wie Weimar. Für sein Weimarer Projekt The Broken and The Repaired machte er einen Film über die gärtnerische Kulturtechnik des Pfropfens. Er nutzte diese Methode, um zwei Apfelbäume zu züchten, die aus mehreren Sorten gekreuzt wurden. Darüber hinaus bot ihm seine Künstlerresidenz nicht nur die Chance, «Zen zu bleiben», zu meditieren, sondern auch sich mit den Vorjahresstipendiaten Victor del Oral und Willie Gurner anzufreunden («eine großartige Zeit»), die statt geplanter zweier Ausstellungsaufbauwochen coronabedingt vier Monate in Weimar strandeten, statt nach Mexiko zurückzufliegen. Wie viele andere findet Lylov während der Pandemie den Wert der Kunst und ihrer möglichen Form(en) in Abwesenheit des Publikums heraus. Sehr dankbar ist er den Weimarer*innen Peter Zerbst, Anja und Udo Pfotenhauer, Ingo Rintisch, Grit Tetzel sowie Thomas und Sabine Schröter für deren Hilfe. Und er lernte Torsten Blume, mit dem er inzwischen zusammenarbeitet, kennen, der das Bauhaus und die modernistische Kunst erforscht. Nebenbei drehte Lylov einen Kurzfilm über den Kulturpalast Unterwellenborn und erhielt ein Stipendium der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, um in dieser Richtung weiterzuarbeiten.

Von Urnen und Flechten | Elke Marhöfer

Die ausgestellten Keramikurnen reflektieren eine Konzeption von Ökologie und Umwelt als bedrohte Heimat, die sich normativen Konzeptionen von Heimat als ethnischer Herkunft entgegenstellt. Auf der Töpferscheibe entworfen, experimentiert Elke Marhöfer mit Klischees von anthropologischen Objekten sowie deren Formen, Glasuren und Mustern und kombiniert sie mit den lateinischen Namen vom Aussterben bedrohter thüringischer Flechten. Flechten sind keine Pflanzen, sondern Pilze, die in Symbiose mit Grünalgen oder Cyanobakterien leben. Als eines der ältesten Lebewesen überhaupt, und aufgrund ihrer Fähigkeit, sich auf bloßen Gesteinssubstraten anzusiedeln, haben Flechten die Entwicklung der Pflanzen, Tiere, und somit uns ermöglicht. Sie reinigen Luft und Wasser, regulieren (lokales) Klima und tragen zum Erhalt vieler Organismen bei. Sie verschwinden, ähnlich wie Bodenorganismen und Insekten, ohne dass wir es wahrnehmen. Das unnötige Aufräumen der natürlichen Umwelt, das Säubern historischer Gebäude, Land- und Forstwirtschaft, Luft- und Bodenverschmutzung sowie Klettersport sind Gründe, warum viele Flechten aussterben. Aber nicht nur Flechten sind fragil. Ökologie entwickelt sich durch symbiotische Bindungen, und wenn Gefährten verschwinden, nimmt das Aussterben der Arten und neuer Heimaten rapide zu.

Anarchistische Portraits | bellu&bellu

Das Berliner Künstlerduo bellu&bellu entwickelt seine Konzeptarbeiten in recherche-basierten Versuchsreihen, Übungen und Experimenten per Video, Sound, Skulptur, Publikation und Text. Derzeit befasst es sich damit, wie Sinn und Bedeutung aus in sich kontingenten Beziehungsweisen entstehen, die weder übersetzbar noch äquivalent sein können. In der Ausstellung zeigen sie die Anarchistischen Portraits. Das Herbarium besteht aus Gräsern, die an der Schwelle zwischen der sich ausbreitenden Steppenlandschaft eines Naturschutzgebietes und den zurückgedrängten Äckern der industrialisierten Landwirtschaft wachsen. Gras ist der umgangssprachliche Begriff für wilde Sorten von Getreide; sie sind oft die ersten Pflanzen, die sich in Ökosysteme ausbreiten, die durch äußere Eingriffe gestört wurden. Dagegen sind die gezüchteten Getreidesorten ein Symbol für Effizienz und Prosperität – so waren Getreideähren z.B. Bestandteil aller sozialistischen Embleme. Was aber, wenn ihre wilden Verwandten für ein anderes utopisches politisches Projekt stehen, in dem ihr symbolischer Wert keine Funktion ihres Gebrauchswertes ist, sondern ihre Fähigkeit, sich jenseits staatlicher Machtstrukturen immer wieder neu zu organisieren? Wie Elke Marhöfer wurden bellu&bellu von Mikhail Lylov zur Ausstellungsteilnahme eingeladen.

The Black Stick and The White Stick | Rosa Nussbaum

Die Deutsch-Britin Rosa Nussbaum mit Wohnsitz in den USA hat für die Veröffentlichung ihres Projekts The Black Stick and The White Stick eine Soundinstallation gewählt, die mit Hilfe von Videos, Fotos und Requisiten Aspekte ihrer ganz persönlichen Familiengeschichte und speziell die Lebenslüge ihres rumänisch-jüdischen Großvaters untersucht, der sein Leben lang vorgab, im ersten arabisch-israelischen Krieg verwundet worden zu sein, wobei seine Wunde, wie er erst kurz vor seinem Tod zugab, von einem Kampf mit Wilderern bei Bukarest stammte. Anhand dieser Familiengeschichte erforscht sie, wie unzugänglich die Wahrheit sein kann und wie Familie und Geschichte sich überschneiden. Rosa Nussbaum plant auch die Publikation eines kleinen zweisprachigen Magazins mit einer Sammlung der Witze ihres Großvaters. Zur Teilnahme an der Ausstellung lud sie ihre Künstlerkollegin Kevin Brophy ein. Da die Biden-Administration an dem Grundsatz festhält, Nicht-US-Staatsbürger*innen während der Covid-Pandemie nach Ausreise keine Wiedereinreise in die USA zu gewähren und sie derzeit in Philadelphia lebt, wird Rosa Nussbaum ihre Ausstellung nicht sehen. Ein geplantes Internetangebot, das die digitale Seite ihres Projekts mit Teilen ihres Podcasts, Forschungsergebnissen und Videos beherbergt, eröffnet neue Kunsträume.

Rosa Nussbaum konnte ihren Weimaraufenthalt coronabedingt nicht antreten. Der Begriff Heimat ist für sie nicht wirklich übersetzbar. «Ich habe mich immer fremd gefühlt, sowohl in Deutschland, wo ich aufwuchs, als auch in Großbritannien, meiner Wahlheimat. Jetzt, in Philadelphia, fühle ich mich fremd, nicht unangenehm, bloß ein Fremdsein in einem fremden Land. Mein stabilstes Zuhause war das Haus meiner Großeltern — ein fester, unbeweglicher Ort auf der Erde, eine Quelle, ein Ursprung. Im Zentrum dieses Haushalts stand mein rumänisch-jüdischer Großvater, teils Mythos, teils sehr menschlich — der Dreh- und Angelpunkt unserer Familiengeschichte. Als er vor zwei Jahren starb, erfuhren wir von einem Geheimnis, das er sein ganzes Leben lang für sich behalten hatte. Meine Soundinstallation Der schwarze Stock und Der weiße Stock untersucht das Zerfallen dieser Lebenslüge meines Großvaters im Zentrum meiner wahren ‹Heimat›: Sein Leben lang gab er vor, im ersten arabisch-israelischen Krieg verwundet worden zu sein, wobei seine Wunde, wie er erst kurz vor seinem Tod zugab, von einem Kampf mit Wilderern bei Bukarest stammte. Mein Projekt ist sehr persönlich. Es geht um den Prozess des Trauerns, um die Familie und die Geschichte. Ich wollte meine Familienmitglieder persönlich interviewen — mit Weimar als Basis. Ich dachte, das Projekt wäre ohne diese persönlichen Interaktionen nicht möglich. Dass aber meine Familie so wie ich auch eingesperrt war, gab unseren Gesprächen eine unerwartete Intimität. Die Pandemie war ein Ausnahmezustand, alles stand auf dem Kopf, war im Fluss. Die hierarchische Struktur der Familie schien vorübergehend aufgehoben. Meine Verwandten sagten mir Dinge, die sie unter normalen Umständen niemals gesagt hätten, zumindest nicht zu mir. Zudem führte mich die Pandemie, quasi zugunsten Weimars und meiner selbst, zu einer persönlicheren, politischeren und komplexeren Arbeitsweise als je zuvor — und zum Audioformat. Ursprünglich dachte ich, dass ich Zugang zu Archiven, Dokumenten im Haus meiner Großmutter, Fotos und Militärunterlagen haben würde. Aber wegen Covid wurden die Archive geschlossen. Meine Großmutter musste ihr Zuhause verlassen und bei meiner Mutter einziehen, und alles, was nun bleibt, ist dieses lebendige, atmende Archiv ihrer Erzählungen.» Ein Großteil der Geschichte von Rosa Nussbaums Großvater spielt sich vor dem Hintergrund seiner jüdischen Identität und des Holocaust ab. Umso wichtiger war für sie der Kontakt zu Ronald Hirte, einem Historiker und Archäologen der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. US-Künstlerkollegin Kevin Brophy co-kuratierte, redigierte und organisierte mit. Sie half, Distanz zu diesem persönlichen Material zu finden und Familiengeschichte als historisches Archiv zu behandeln. Eine New Yorker Kuratorin ist bereits am Projekt interessiert. Gleichzeitig bewirkte die Pandemie 2021 die Produktion von Rosa Nussbaums erster global zugänglicher Arbeit — eine komplette Online-Installation namens Space Witches.

Heimatmaschine | Paul Wiersbinski

In der interaktiven Installation Heimatmaschine wird das emotional aufgeladene Konzept der Heimat mit vermeintlich rein rationaler Technologie konfrontiert. Über aktuelle deutsche Parteiprogramme, Literatur und wissenschaftliche Texte wird eine künstliche Intelligenz geschult, die Muster untersucht, welche unseren Gedanken und Vorurteilen in Bezug auf «Heimat» und «Zugehörigkeit» zugrunde liegen, um unsere kulturellen Daten zu diesen Themen zu interpretieren und uns zu sagen, was diese Begriffe in einer ungewissen Zukunft bedeuten könnten. Von der Heimatmaschine erzeugte Texte werden im Raum angeordnet, um Verbindungen und Überlagerungen in der potenziell niemals endenden Textflut zu erforschen. Die Rauminstallation der 8-teiligen Serie (Fotocollage auf Banner) HOME hingegen befasst sich mit dem Begriff des Zuhauses. Durch die gegenwärtige Situation ist dieser Ort nicht mehr nur positiv besetzt, sondern beschreibt auch das Gefühl des Eingeschlossenseins auf unabsehbare Zeit. Gerade für Menschen mit psychischen Problemen ist dieser Zustand sehr belastend. HOME generiert einen kaleidoskopischen, vielschichtigen Blick auf dieses Thema. Außerdem zeigt Wiersbinski die Installation Dichotomy, das 20-min-2-Kanal-Video Remote Rules and Rituals und lud den Maler Behrang Karimi zur Ausstellungsteilnahme ein.

Das Beste am Weimarer Atelieraufenthalt war für Paul Wiersbinski die gebotene Kontemplation und Abgeschiedenheit, um neue Werke zu entwickeln. Seine Künstliche-Intelligenz-Applikation Heimatmaschine wurde auf Tausenden von Texten trainiert. Im Literaturdatensatz wurden z. B. vorwiegend das Wort Heimat enthaltende Schriften aus der Romantik verwendet, u. a. Publikationen von Goethe und Schiller. In der Atelierwohnung drehte er auch die Performance Remote Rules and Rituals. Mit dem Heimatbegriff assoziiert Wiersbinski: «Wenn Du Schmerz vermeidest, wirst Du nie erfahren, wie es ist, zurückzukehren. Erfüllung ist eine Funktion der Zeit. Und dann kannst Du nach Hause gehen und das Ende der Welt, so wie Du sie kennst, genießen, wenn Du begreifst, dass Zuhause ein Ort ist, an dem Du noch nie vorher ge-wesen bist.» Und unser Leben mit dem Virus kommentiert er so: «Es kann helfen, ein Verständnis dafür zu schaffen, dass alle Lebewesen auf der Welt Kompositionen sind, die Seite an Seite stehen, fest genug in Leben, Tod und in allem, was sie auf dieser Erde verkörpern, verbunden, um den Tag zu überstehen.» Sein Interesse an künstlicher Intelligenz, Unsterblichkeit und utopischem Denken über eine Zukunft, die groß und ungewiss bleibt, führt ein Vorschlag für das Festival Resonance IV der Europäischen Kommission fort.

Familiengeschichte als Allegorie auf unsere allgegenwärtige Kultur | Kevin Brophy

„Als bildende Künstlerin, Schriftstellerin und Pädagogin interessieren mich – rhetorisch, visuell und sozial – dialogische Machtstrukturen mit Fokus auf Alltagssprache und nicht dominanten Erzählungen, die bei mir Formen von Poesie, neuen Medien, Installationen und spekulativem Design annehmen können, oft geprägt von sozialen Technologien. Rosas konzeptuellen, persönlichen Audio- und Videoarbeiten begegnete ich mit praktischem, kommunikativem Design, die Raumbeziehungen zwischen Objekten und Medien im Blick. Ich half ihr dabei, Perspektive zu gewinnen, mit der Autorität der Autorenschaft an die Materialien heranzugehen, den historischen Kontext zu suchen, ohne die Nuancen und impliziten Machtstrukturen der Familienerzählungen zu verlieren. Rosa gibt mehreren Erzählern eine Stimme, was die Identitätsbildung ihrer Familienmitglieder rings um die Zentralfigur ihres Großvaters ermöglicht. Mag sein, dass Abba (der Patriarch) dabei als Heimat fungiert, seine Dominanz innerhalb der Familienstruktur eine Quelle ist, aus der heraus sich die Identität jedes anderen Mitglieds durch Ähnlichkeit und Unähnlichkeit verzweigt – eine Allegorie dafür, wie wir uns hinsichtlich unserer Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten mit der allgegenwärtigen Kultur (und Nationalidentität) unserer jeweiligen Heimat(en) identifizieren.“

Spaced Out in Outer Space | Behrang Karimi

In ihrem Zwanzigminutenfilm Spaced Out in Outer Space (2020) untersuchen Behrang Karimi und Paul Wiersbinski die Geschichte des Gleichgewichts in Kybernetik und Biologie und seinen Einfluss auf unser zeitgenössisches Konzept von Natur und Gesellschaft. Beide interessieren sich für die Frage, inwieweit Vorstellungen von „reiner“ Natur, Unsterblichkeit und Raumfahrt in der westlichen Wissenschaft und Kunst schon immer eine Fantasie waren, um einer fehlerhaften Existenz zu entkommen und sie zu ändern, anstatt ihre Grenzen zu akzeptieren. Paul Wiersbinski erstellte Geschichten und drehte Videos, um die Erzählung selbst als politisches Instrument zu untersuchen und darüber zu sprechen, wie zukünftige Gemeinschaften aussehen könnten. Basierend auf diesen Erzählungen produzierte Behrang Karimi u.a. die surrealistischen Zeichnungen Starchild, Saved by light, Spectre und Phantast way of equilibrium (alle 2020) über die Ankunft auf der Erde (aus dem Logbuch: „Bei unserer Ankunft sahen wir keine Linien, keine Wände, keine Zäune und trotzdem wurde gekämpft um Luft, um Wasser und um Blut.“) Beider Ziel war es, eine Geschichte zu erzählen, die groß genug und doch offen ist, um über aktuelle Weltuntergangsfantasien zu sprechen. Wie Donna Haraway sagt: „Es kommt darauf an, was Gedanken über Gedanken denken.“

Gefördert durch: Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, Thüringer Staatskanzlei — Abteilung Kultur und Kunst, Sparkasse Mittelthüringen, Stadt Weimar und Förderkreis der ACC Galerie Weimar.