Die Kunst der Simulation | The Art of Simulation

AES+F "Allegoria Sacra", 2011-2013

Internationale Kunstausstellung

Tropical Islands, Lascaux 2, Ski Dubai, Stadtschloss Berlin, D-Day-Reenactment: Simuliert wird allerorten und jederzeit, im Medienzeitalter mehr denn je. Wir simulieren, was wir vermissen, was einmal (vertraut) war — Vertrautheit, die uns in unserer unmittelbaren Umwelt so oft verloren geht — um uns sicher zu fühlen in dem, was ist. Die Simulation lässt uns zudem wieder zu selbst ermächtigten Schöpfern werden. Die Menschheitsgeschichte ist auch eine Geschichte der versuchten Erhaltung, Konsolidierung und Wiederbeschaffung des Besonderen, Atmosphärischen, Überwältigenden, Unglaublichen, Nostalgischen, Sehnsuchtsbehafteten (Moments, Ereignisses, Kunst- oder Bauwerks). Eine Situation oder Konstellation zurückbringen, nachempfinden, gar nachbauen heißt, unserem innersten Drang nach Wiederholung oder besser noch konstanter Beibehaltung von positiv Erlebtem, Seelenheil, Glück nachgeben dürfen, um unsere Identität zu (er)finden oder bestätigt zu wissen. Die Strategie der Simulation ist Trost, um das Leben jenseits davon, den Alltag, auszuhalten. Wie weit kann das gehen? Sieben Künstler und vier Studierende der Bauhaus-Universität Weimar gehen dieser Frage nach.

AES+F’s barock-futuristische Cyberspace-Allegorien, Vik Muniz‘ täuschende Fotografien und vermeintliche Fotodokumentationen, Reiner Riedlers Parallelweltdokus, Egill Sæbjörnssons Belebungsversuche toter Materie, Acci Babas Filmsimulationen zwischen Mensch, Affe und Ameise, Leila Tschopps Raumgemälde und die (be)trügerischen Weltverbesserungsideen der Yes Men verschmelzen mit Andreas Grahls, Kathy Schuberts, Kaspar Elias Kimmels und Max Weisels Objekten und Installationen zum Simulations-reigen, den eines eint: Die wahre Lust am Falschen. Nachahmung oder Vortäuschung, Nachbildung oder Verstellung, So-tun-als-ob, Schönfärberei, Fassade, Theater, Spiel, kurz die Simulation ist ein Vehikel, um uns in der harten Realität zurechtzufinden. Leicht akzeptieren wir den Schwund der Authentizität, ihren Ersatz durch die Simulation. Oft geht die Aussagekraft des Fakes gar über die des Originals, dessen Wert durch die Kopie gesteigert wird, hinaus. Täuschung und Illusion sind uns vertraut, wir genießen sie, möchten betrogen werden (nur die unerkannte Fälschung bleibt unbestaunt). Wir möchten uns an die Erinnerung, wie wir sie haben wollen, klammern können, Werte und Traditionen festschreiben, denen Aus- und Weglassen, Verfälschen, Unterdrücken, Umwidmen, Vereinnahmen, Deuten, Stückeln und Klittern nicht fremd sind. Welche Rolle spielt dabei die Kunst, die nicht erst seit Entstehen der Traumfabrik Hollywood mit der Simulation Hand in Hand geht?

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