Die Kunst der Simulation | The Art of Simulation

Eröffnung

So, 18.2.2018 | 18 Uhr

Dauer

19.2. - 6.5.2018

Die Kunst der Simulation | The Art of Simulation

Foto: Rainer Riedler, aus der Serie Fake Holidays, 2009

Internationale Kunstausstellung

Simuliert wird allerorten, jederzeit (in der Europapolitik, unter Putin, auf dem History Channel), im Medienzeitalter mehr denn je. Beim Militärdienst war man – mit geschwollenem Knie – „der Simulant“, obwohl man nicht simulierte. Was ist echt? Fraglos die Lust am Falschen. Was Lüge? Die lediglich zugängliche, wenn auch exakte Nachbildung der Höhlenmalereien von Lascaux – „Lascaux 2“? Ski Dubai, Tropical Islands bei oder das Stadtschloss in Berlin? Die Menschheitsgeschichte ist auch eine Geschichte der versuchten Erhaltung, Konsolidierung und Wiederbeschaffung des Besonderen, Atmosphärischen, Überwältigenden, Unglaublichen, ja Nostalgischen, Sehnsuchtsbehafteten (Moments, Ereignisses, Kunst- oder Bauwerks). Eine Situation oder Konstellation zurückbringen, nachempfinden, gar nachbauen, heißt unserem innersten Drang nach Wiederholung oder besser noch konstanter Beibehaltung von positiv Erlebtem, Seelenheil, Glück nachgeben dürfen, um unsere Identität zu (er)finden oder bestätigt zu wissen. Die Kunst und Strategie der Simulation, der Nachahmung oder Vortäuschung, der Nachbildung oder Verstellung, des So-tun-als-ob, ist Mutmacher und Trostspender, um das Leben jenseits von Simulation, Schönfärberei, Fassade, Theater, Spiel, der Geborgenheit der heilen (Parallel)Welt, gelebten irdisch-paradiesischen Zuständen, sprich den konventionellen Alltag, auszuhalten.

Wir simulieren, was wir vermissen, was einmal (vertraut) war – Vertrautheit, die uns in unserer unmittelbaren Umwelt so oft verloren geht – um uns sicher zu fühlen in dem, was ist. Die Simulation lässt uns zudem wieder zu selbstermächtigten Schöpfern werden, ob im simulierten Stadtkern, Shenzhen-Weltwunderpark oder künstlichen Urlaubsparadies, ob in der Frauenkirche, beim D-Day-Reenactment oder LARP-Spiel. Wir möchten uns an die Erinnerung, wie wir sie haben wollen, klammern können.

Doch dafür ist Authentizität, Berührung, der Kontakt (den z.B. ein Anderer vor uns zu einem Objekt hatte) und ist der Glaube daran essenziell. Den liefert die Simulation nicht, sondern nur die Ähnlichkeit, und die Virtualität liefert nicht Physis und Emotionen, sondern nur Gleichnis in Wesen, Funktionalität und Wirkung. Kontakt, Gefühl, Berührung müssen also – über das Konstrukt der Erzählung hinaus – künstlich geschaffen werden. Wie weit kann das gehen? Wo sind die Grenzen? Welche Rolle spielt dabei die Kunst, die nicht erst seit Entstehen der Traumfabrik Hollywood mit der Simulation Hand in Hand geht?

Leicht akzeptieren wir den Schwund der Authentizität, ihren Ersatz durch die Simulation. Oft geht die Aussagekraft des Fakes gar über die des Originals, dessen Wert durch die Kopie gesteigert wird, hinaus, kann näher, länger, detailreicher, lustvoller betrachtet, entdeckt werden. Täuschung und Illusion sind uns vertraut, wir genießen sie, möchten betrogen werden (nur die unerkannte Fälschung bleibt unbestaunt). Wir möchten Spuren suchen, finden, legen, unsere Geschichte(n), die stets parteiisch, immer kreativ sind (Dichtung und Wahrheit) erzählen, Werte und Traditionen festschreiben, denen Aus- und Weglassen, Verfälschen, Unterdrücken, Umwidmen, Vereinnahmen, Deuten, Stückeln, Klittern nicht fremd sind.