AES+F

AES+F: Allegoria Sacra, 2011-13.

Betitelt nach Giovanni Bellinis Gemälde, das in der Galerie der Uffizien in Florenz hängt und für Kunsthistoriker ein Mysterium ist, repräsentiert Allegoria Sacra von AES+F als letzter Teil der  Liminal Space Trilogy dieser Künstlergruppe das Fegefeuer. Als Ort des Geschehens wurde ein futuristischer internationaler Flughafen gewählt — und Allegoria Sacra dient als Metapher für die Vorhölle, in der die Seelen jener Sünder, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind, auf ihr Schicksal warten. Die Charaktere, die Bellinis Meisterwerk bewohnen, von biblischen Figuren bis zu mythologischen Kreaturen, wurden von AES+F umgruppiert und teils neu interpretiert. Der sarazenische Muslim z.B. wurde in eine Flüchtlingsgruppe umgewandelt. Der Heilige Sebastian wurde zum jungen, hemdlosen Reisenden, der durch tropische Länder trampt, während Apostel Paulus durch einen Flughafenpolizisten repräsentiert wird. Das Werk von AES+F ist eher eine Allegorie auf das Leben der Gegenwart als eine Neuinterpretation von Bellinis Gemälde. Während die Reisenden traumgleiche Staaten betreten, machen Flughafen und Flugzeug verschiedene Metamorphosen durch. Landschaft und Klima durchleben vier Phasen — aus Schneefeld, Wüste und Dschungel wird ein endloser Fluss Styx. AES+F kombinieren Motive aus Kunstgeschichte und Popkultur. Allegoria Sacra webt komplexe globale Fragen ein in visuell überwältigende Metaphern, die sich im Transitraum des Flughafens entfalten, wo alle möglichen Dinge zeitweilig koexistieren dürfen, bevor sie ihren finalen Bestimmungsort ansteuern.

ACC Redaktion (23.02.2018)