Kathy Schubert

Kathy Schubert "Open World Behind Closed Doors", 2017 / Foto: Claus Bach

„Open World behind Closed Doors”, Installation, 2017.
In eine Gesellschaft, die offenbar die Zeit dazu findet, ihre Realität zu entfremden und sie in eine künstliche Umgebung auszulagern, gehören Simulationsspiele, die für die nötige Unterhaltung in langweiligen Stunden sorgen. Hier kann man ohne Selbstreflexion fremdbestimmt und frei von Konsequenzen handeln. Simulationsspiele mögen eine realitätsnahe Umgebung erzeugen, sind häufig aber fern vom Ursprungsgedanken — der Erschaffung einer emotional erfahrbaren Situation, die Betroffenheit und Empathie hervorruft. Mit der kontinuierlichen Verbesserung der technischen Möglichkeiten ging innerhalb dieses Genres offenbar ein intellektueller Abwärtstrend des Spielprinzips einher. Eine aus der Realität geholte Simulation (Chopping Wood With My Dad Simulator 1.0 für iPhone OS) wurde analog zurück in die Realität übersetzt.

„Trakt A I-VI“, Lackfarbe auf Papier/Transparentpapier, 2018.
Zu sehen sind sechs Zeichnungen/Entwürfe ohne erklärenden Text: „Alles soll so offen und nüchtern wie möglich bleiben – was dazu führt, dass die Namen der einzelnen Stationen zwingend notwendig sind, um eine grobe Richtung anzugeben – mehr möchte ich nicht vorweg nehmen. Die zweite Ebene (Transparentpapier) zeigt immer die Funktion der jeweiligen Station. Alle Stockwerke sind über einen Aufzug verbunden und stehen in regem Austausch. Ich habe das Leben auf die essentiellsten Abschnitte herunter gebrochen und stelle damit alles, was dazwischen passiert, in Frage, oder hinterfrage die Wichtung im Großen und Ganzen. Was kann man vom Leben erwarten? Was zählt? Die sechs Räume sind eine Abhandlung von der Geburt bis zum Tod, als eine sich selbst erhaltende Maschine, ein Kreislauf. Biomasse entsteht, wächst, reproduziert sich, wird abgebaut und als Grundlage für Nachfolgendes rückgeführt. … Manche sehen Kritik an Tierhaltung, andere eine Nazimaschinerie – oder nur beklemmende Räume mit dunkler Vorahnung. Das soll jeder für sich entscheiden.

(26.03.2018)