Wie das Bauhaus nach Weimar kam – Ein Archiv von Hitze und Kälte

Eine Ausstellung des Kunstfests 2018

Im Vorfeld des Bauhausjubiläums eröffnete das 29. Weimarer Kunstfests in einer dreiteiligen Ausstellung ein Archiv – eine Wunderkammer. Fundstücke und Kunstwerke, Objekte und Dokumente zeichnen Ideengeschichten und Atmosphären des frühen Bauhauses nach und materialisieren, wie das Bauhaus zu einer Schule wurde, in der die junge Weimarer Demokratie das gesellschaftliche und ästhetische Gleichgewicht übte. Briefe, kosmische Raumberechnungen, Zeitungsschnipsel, Wetterprognosen, thermische Kunstfiguren, Gleichgewichtsübungen, obskure Modelle, Notizen und Fotografien laden zu einem Spaziergang durch eine etwas andere Bauhausgeschichte ein. Seit dem 7.9.2018 neu arrangiert, wird die Ausstellung bis zum 11.11.2018 allein in der ACC Galerie zu erleben sein. Aus 3 mach 1: Das Archiv ist nun verdichtet, zahlreiche der historischen und zeitgenössischen Dokumente, Texte und aktuellen künstlerisch-gestalterischen Positionen aus der ehemaligen Dorfner-Werkstatt und dem Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, den ersten beiden seiner Stationen, sind nun in der ACC Galerie Weimar konzentriert und geballt sichtbar. Für all Jene, die zurückkehren möchten oder noch keine Gelegenheit hatten, die Ausstellung zu sehen.

Das von Janek Müller und Niklas Hoffmann-Walbeck wie ein Spiel mit einem Kristall entworfene Archiv von Hitze und Kälte macht die Geschichte des frühen Bauhauses als ein gestaltend forschendes Erkunden neuer Gleichgewichte in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg lesbar. Es stellt nun mit hundert Exponaten in zwanzig Räumen Ideen, Motive und Projekte vor, mit denen das Bauhaus 1919 nach Weimar kam bzw. Gegenwartskünstler(innen) inspirierte — von den hitzigen Anfängen zur kühlen Vernunft.

Zur Ausstellung gibt es eine kostenlose Begleitpublikation.

Pressestimmen zur Ausstellung:

die Tageszeitung (taz), 23.08.2018, Katrin Bettina Müller: "Tanzen Sie die Farbe Blau"
In Weimar war sie noch virulent, die Diskussionen um Farben, um Symbole und universalistische Zeichen. Die Ausstellung dokumentiert dies in Briefen. Aber auch frühe Hetzschriften gegen des Bauhaus sind zu sehen. So entsteht ein Bild von der politisch aufgeheizten Stimmung der Gründerjahre und von dem visionären Überschuss. ... Vergessen ist die irrlichternde Seite des Bauhauses, die Müller und Hoffmann-Walbeck betonen, zwar nicht, aber sie ist im Image der Schule weniger präsent.

neues deutschland, 28.08.2018, Stefan Amzoll: "Kein Hauch von Prunk"
"Ich bitte um eine kleine Werkstatt, in der ich auch schlafen kann." Berührend sind die Briefe künstlerisch ambitionierter junger Bewerber an die frisch gegründete Schule, nachsuchend um einen Raum, in dem man auch wohnen und kochen kann, wo es warm und trocken ist. Die Ausstellung Wie das Bauhaus nach Weimar kam – Ein Archiv von Hitze und Kälte zeigt Kopien dieser Dokumente. … Gropius versammelte zunächst ausschließlich Maler. Seine Devise lautete: "Wir Künstler müssen in dieser Zeit das Eisen schmieden, solange es heiß ist." Die Stimmung sei »sympathisch radikal«. Zu lesen ist das so in der über die Ausstellung informierenden Begleitschrift, die auf die Kategorien Hitze und Kälte fokussiert und inhaltlich weit über das knappe Konvolut der Ausstellung hinausführt. Das Bauhaus sei auch eine Antwort auf die hitzeintensiven Arbeiten der Expressionisten gewesen.

Thüringische Landeszeitung, 18.08.2018, Antje Lauschner: "Archiv von Hitze und Kälte"
Eine buntbedruckte Jacke mit der Farbenlehre von Johannes Itten und drei Steine in den Bauhaus-Symbolen Kreis, Dreieck, Quadrat: Die beiden Exponate stehen für die Ausstellung Wie das Bauhaus nach Weimar kam, die im Rahmen des Kunstfests Weimar gezeigt wird. … Wer [..] bekannte Kunstwerke der Bauhäusler und ihrer Schüler erwartet, wird enttäuscht. […] Wie das Bauhaus nach Weimar kam bewegt sich [...] abseits ausgetretener Pfade.

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