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  • Galerie und Kulturzentrum in Weimar
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Künstler*innen

Nicolas Vionnet, Bild: Barbara Forslund-Leu

Nicolas Vionnet

CH, geboren 1976

 
“I like to challenge the viewer and to trigger curiosity. I am not interested in works that are simply large-scaled, overly stylized, loudly colored and scream for attention. I am interested in reduced works that engage their environment and integrate into an existing scenery, I am looking for a fair balance.”

Im Werk des Schweizer Künstlers Nicolas Vionnet ist das Vertraute nie ganz das, was es zu sein scheint. Ein Spazierstock verwandelt sich in ein rollendes Vehikel von absurder Mobilität; ein Schiffscontainer wird zum idyllischen Garten; eine Stehlampe verschmilzt mit einem Gehgestell; eine florale Leinwand wehrt sich gegen ihre Einordnung als Gemälde; und ein Abluftkasten wird zum Lautsprecher. Diese leisen, doch aufgeladenen Gesten – oft humorvoll, stets präzise – prägen eine Praxis, die sich geschickt zwischen Funktion und Scheitern, Neugier und Kritik bewegt. Vionnet, der in Zürich lebt und dessen Schaffen Malerei, Skulptur, Installation und Interventionen im öffentlichen Raum umfasst, entwickelt visuelle und ortsspezifische Vorschläge, die uns auffordern, innezuhalten, zu überdenken – und nochmals hinzusehen.

​In seiner Praxis liegt eine bewusste Subtilität, die sich der Unmittelbarkeit entzieht und stattdessen auf ein langsames Sichentfalten setzt. Anstatt Aufmerksamkeit zu erzwingen, fügen seine Arbeiten sich mit einer Art sanftem Trotz in verschiedenste Räume ein – drinnen oder draussen, institutionell oder improvisiert – und bleiben dabei oft unbemerkt, bis sie leise zu irritieren beginnen. Für Vionnet ist dieser Moment der Irritation entscheidend: Er erschüttert Annahmen, regt zur Interpretation an und wirkt letztlich eher als Einladung denn als Forderung. Es geht nicht um Spektakel, sondern um Spekulation. Seine Materialien entstammen häufig dem Alltag – vorgefundene Objekte, funktionale Formen, industrielle Stoffe, Design- und Gebrauchsobjekte. Durch präzise Eingriffe und unerwartete Kombinationen werden diese Elemente verfremdet, funktionslos gemacht oder gegen sich selbst gewendet. Daraus entsteht eine Art visueller Übermut: eine Beugung der Logik, die durch Zurückhaltung freilich immer die Bodenhaftung behält. Die Arbeiten sind niemals effekthascherisch; vielmehr sind sie verdichtet und durchdacht, sie legen Widersprüche offen, ohne sie aufzulösen.

​Die Umgebungen, in denen Vionnets Arbeiten erscheinen – sei es eine Galerie oder ein Stadtpark –, sind keine passiven Kulissen, sondern aktive Mitgestalter. Vionnet spricht von einem «nicht hierarchischen Dialog» zwischen Werk und Umgebung, einem wechselseitigen Sichtbarmachen, bei dem keines das andere dominiert. Zentral für diese Balance ist die Wahrnehmung der Betrachter:innen: Irritation, Amüsiertheit, Verwirrung oder Gleichgültigkeit sind dabei keine blossen Nebenprodukte, sondern eigenständige Bestandteile des Werks. Das Kunstwerk existiert nicht nur dadurch, was gezeigt, sondern auch dadurch, wie es aufgenommen wird. Mit einer Ausbildung, die in der Bauhaus-Tradition verwurzelt ist, und einer Laufbahn, die ihn zu zahlreichen internationalen Ausstellungen und Biennalen geführt hat, stellt Vionnet weiterhin schwierige und poetische Fragen danach, was Kunst ist, wie sie sich verhält und wo sie hingehört. Seine Praxis stellt die Vorstellung infrage, dass Provokation laut sein müsse, und suggeriert stattdessen, dass die radikalsten Gesten oft auch die leisesten sein können.

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