Abgesagt! - Fitzgerald & Rimini, Bern (CH)

Robert Aeberhard und Ariane von Graffenried, Foto: Michael von Graffenried.

Galeriekonzert #3

Vorhang auf für Revolutionärinnen, Flintenweiber und Sexroboter, Vorhang auf für 50 Hertz. Das neue Werk von Fitzgerald & Rimini feiert die Nervensägen: Störenfriede und Störgeräusche, eine Harmonie der schönen Plagegeister – es rauscht, knarrt und pfeift in einmütig unangepasster Euphonie. Ein Hoch auf die Behelligung!
Das 50-Hertz-Brummen des europäischen Stromnetzes bildet die Basis für eine Musik des scheinbar Missfallenden, für die Schönheit der Störung im Ohr.

Störgeräusche – Musik

Störgeräusche sind unerwünscht und werden in der Regel ausgefiltert, doch ihr Ruf ist schlechter als ihr Klang. Physikalisch von anderen Geräuschen nicht zu unterscheiden, gelten sie als störend: Das Quietschen einer Tür wird weggeölt, das Rauschen eines Radios unterdrückt. Auch das 50-Hertz-Brummen ist ein typisches Störgeräusch. Der Ton nahe dem Kontra-G entspricht der Frequenz des europäischen Stromnetzes. 50 Mal pro Sekunde wechselt die Amplitude vom Positiven ins Negative. Diese Schwingung wird als Taktgeber zahlreicher Geräte genutzt, die ans Stromnetz angeschlossen werden: Uhren, Radiowecker oder Backöfen nutzen sie. Sie ist in der Regel nicht, bei schlechter Abschirmung aber als «Netzbrummen» hörbar.
Bei Tontechniker*innen gefürchtet, wird der 50-Hertz-Brummton mit allen Mitteln unterdrückt. Aber nur sein versehentliches Auftreten macht ihn unerwünscht. Ob von Robert Aeberhard gefiltert oder in Obertöne zerlegt, moduliert oder transponiert, in den Sampler geladen und gespielt, zieht sich diese akustische Triebfeder des europäischen Lebens durch sämtliche Kompositionen des neuen Albums von Fitzgerald & Rimini, dem sie sogar seinen Namen gegeben hat: «50 Hertz». In Kombination mit live erzeugten Störgeräuschen aus Transformatoren, Rückkoppelungen und Prozessorrauschen sowie dem Schlagzeug- und Gitarrenspiel der Gastmusiker Kevin Chesham und Simon Rupp, entsteht eine bildhafte Musik, die von Graffenrieds Texte umgarnt und sich mit ihnen verschränkt.

Ariane von Graffenried ist Autorin und promovierte Theaterwissenschaftlerin, schreibt für die Bühne, fürs Radio, Zeitungen und die Wissenschaft. Sie ist Mitglied der preisgekrönten Autor*innengruppe «Bern ist überall», Kuratorin des Internationalen Lyrikfestivals Basel und Spoken-Word-Performerin. 2017 erschien ihr Buch «Babylon Park», 2019 folgte «50 Hertz», eine CD mit Gedichtband. Für ihre Texte wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Von Graffenrieds Texte kippen vom Konkreten ins Poetische und zurück, mal Deutsch, mal Englisch, mal Dialekt, sie ist eine Geschichtenerzählerin des Geheimen und Verborgenen, eine ebenso raue wie galante Berichterstatterin aus den Halbwelten des Mondänen, eine literarische Umgarnerin der provinziellen Unterwelt.

Um auf den Geschmack zu kommen:

soundcloud.com/fitzgeraldrimini/

Die Veranstaltung wird gefördert innerhalb des Projektes «Ich sehe was, was Du nicht siehst...» vom Fonds Soziokultur.

Anneke FSJ (24.02.2020)

Samstag, 21. März 2020, 20 Uhr, ACC Galerie
Eintritt: 15€ | erm.: 9€ | Tafelpass 1€