Jugoslawien — das Ende des deutschen Pazifismus

Ein Ticket für Linke? Titos blauer Sonderzug
Foto: bdx/wikimedia

Vortrag von Felix Riedel

In der Linken wurde der Zerfall Jugoslawiens als Manipulation von außen interpretiert: Die ethnischen Gruppen seien von einem wiedervereinten Nazideutschland gezielt in den Bürgerkrieg gehetzt worden, um den letzten sozialistischen Staat in Europa zu zerschlagen. In linken Zeitschriften wurde primär Slobodan Milošević als Opfer westlicher Verschwörung gezeichnet und rationale Erwägungen der NATO und Russlands zur Intervention im zerfallenen Jugoslawien in Abrede gestellt. Die linke Perspektive auf ein Jugoslawien als utopischen Antagonisten des Westens war bereit, die kritischen Stimmen, die Krisen in der jugoslawischen Gesellschaft und Titos Misswirtschaft zu ignorieren. Die NATO gegen den Sozialismus und Deutschland gegen Serbien – diese Lesart bot Teilen der deutschen Linken einen Mythos an, der mit der Realität der Jugoslawienkriege und dem internationalen Kontext wenig zu tun hatte. Felix Riedel, kritischer Ethnologe und Autor zahlreicher Debattenbeiträge (www.felixriedel.net), wirft einen kritischen Rückblick auf linke Erzählungen über die Jugoslawienkriege.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“, eine Kooperation des Bildungskollektivs BiKo e.V., der ACC Galerie Weimar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen. Weitere Infos: http://spektakel.blogsport.de

Lea FSJ (12.03.2019)

Donnerstag, 9. Mai 2019, 20 Uhr, ACC Galerie
Eintritt: 2 € | 1 €