«Fremdes Licht» | Michael Stavarič, Wien

Michael Stavarič, Foto: Yves Noir.

... liest aus seinem neuen Roman

Elaine Duval stürzt an einem unbekannten Ort ab und findet sich in einer eisigen, unwirtlichen Umgebung wieder. Allmählich kehrt ihre Erinnerung zurück und sie begreift, was passiert ist: Dass ihr Großvater einst bei den Inuit in Grönland lebte, und er sie mit dem Überleben in Eis und Schnee vertraut gemacht hat. Dass sie zuletzt für einen Konzern im Schweizer Ort Winterthur tätig war (ca. um das Jahr 2200), und sie sich als Genforscherin und Erfinderin mit der Rekonstruktion von Leben beschäftigte. Dass die Erde während eines Kometeneinschlages zugrunde ging, und sie zuvor in einem heillosen Durcheinander ein interstellares Schiff bestieg. Dass die letzten Überlebenden der Menschheit zu einem erdähnlichen Planeten aufbrechen wollten, und ihr einziger Freund, Dallas, das Kommando inne hatte. Doch muss etwas Gravierendes während dieses Fluges geschehen sein; sie ist schließlich allein mit einer umfangreichen Vergangenheit und einer unmöglich scheinenden Zukunft. Nur die Erinnerungen an ihren Großvater halten sie am Leben, der sie zeitlebens lehrte, niemals aufzugeben. „Denke an deine Vorfahren, Elaine! An die Urgroßmutter, deren Namen du trägst. Die wie du einst ein Schiff bestieg, um an einem eisigen Ort aufzuwachen. Und auch wenn ihre Geschichte aus fernen Zeiten stammt (Anm. Grönland, Chicago1892/93) und wie ein Märchen klingen mag, als die Industrialisierung gerade mal einsetzte, sie ist der Grund, warum du hier bist. Steh auf!“

Er ist wieder da: Michael Stavarič liest mit größtem Feingefühl, nicht zu unterschätzendem Humor und aus seinem jüngsten Werk Fremdes Licht (Roman, Luchterhand, 2020). Wie immer scheut er dabei keine Genregrenzen und ignoriert literarische Konventionen spielerisch. Stavarič (geb.1972 in Brno/ehem. Tschechoslowakei) studierte an der Universität Wien Bohemistik und Publizistik/Kommunikationswissenschaften und war über 10 Jahre lang an der Sportuniversität Wien tätig. Er erhielt bereits zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, zuletzt den Adelbert-Chamisso-Preis und den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur.

Die Lesung ist eine Kooperation von ACC Galerie Weimar und Literarischer Gesellschaft Thüringen e.V.

PRESSESTIMMEN:

Es reicht nicht aus, die Rätsel an Stavarič’schen Konstruktionen lösen zu wollen: Seine Bücher muss man als Gesamtkunstwerk betrachten. (ARTE)
Michael Stavarič zählt zur heimischen Autorenelite, seine Stärke liegt im kühlen und genauen Sezieren großer existenzieller Fragen. (ORF)
Michael Stavarič zählt zu den interessantesten österreichischen Autoren. (FAZ)
Stavarič gelingen in seinen Büchern archaische und verstörende Bilder. (DER SPIEGEL)
Michael Stavarič erzählt mit großer rhetorischer Raffinesse. (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)
Michael Stavarič liest gerne Fragmente auf und baut aus ihnen gigantische Figuren, ohne die Bruchlinien zu kaschieren: großartig, schön schimmernd und schief. (LITERATUREN)
Michael Stavarič, das ist Schreibenergie und Erzähllust. (NZZ)
Der einfallsreiche Erfinder Michael Stavarič führt den in Bann geschlagenen Leser in den verlockenden Abgrund der Literatur. (DEUTSCHLANDFUNK)
Stavarič zieht uns mit allen Sinnen in eine merkwürdig entrückte Zeit. (FRANKFURTER RUNDSCHAU)
Bemerkenswert ist Stavaričs Mut zum parabelhaften Erzählen. (DER STANDARD)

Anneke FSJ (24.02.2020)

Dienstag, 15. September 2020, 20–22 Uhr, ACC Galerie
Eintritt: