Plus zur aktuellen Ausstellung
„Nietzsche forever? Friedrich Nietzsches Transfigurationen in der zeitgenössischen Kunst“
Vortrag + Buchvorstellung von Barbara Straka (Potsdam), Moderation Dr. phil. Justus H. Ulbricht (Dresden)
So., 19.04.2026, 15:00–16:30 Uhr
Eintritt: 3 € | 2 €
Friedrich Nietzsche – kein Thema zeitgenössischer Kunst? Im Gegenteil: Barbara Straka belegt mit thematisch strukturierten Werkbeispielen von mehr als 200 Künstler*innen seine Rezeption in der bildenden Kunst nach 1945. In 14 erstmals identifizierten Themengruppen – von biographischen Episoden über Reisen, Relikte, Werk- und Ortsbezüge bis hin zu Krankheit, Tod und Rezeption – widerlegt sie den Mainstream fachöffentlicher Statements, die Darstellungen Nietzsches auf das Genre des Porträts reduzieren oder Nietzsche in der Kunst heute keine nennenswerte Wirkung attestieren, bestenfalls als Witzfigur und Pop-Ikone. Das Nietzsche-Bildnis hat in der Kunst nach 1945 – analog zu den Umwertungen, die es in der philosophischen Rezeptionsgeschichte erfuhr –, eine Transfiguration vom Mythos zum Menschen durchlaufen, die mit den jüngsten KI-Bilderfindungen noch nicht an ihr Ende gekommen zu sein scheint: Nietzsche forever?
Wie hat sich das Nietzsche-Bild in der Kunst verändert? Welche Motive und Themen lassen sich identifizieren? Was fasziniert heutige Künstler*innen an Nietzsches Person und Denken? Welche Zugänge wählen sie? Hat ein Nietzsche-Ort wie Weimar bis heute eine Aura und spiegelt er sich in Themen und Motiven? Die aktuelle ACC-Ausstellung „Die Sammlung Weimar“ bietet mit ihren Werkbeispielen Anlass zur Vertiefung dieser Fragen.
Zur Diskussion steht: Können Werke der zeitgenössischen Kunst Nietzsche wirklich gerecht werden oder sind sie nur Ausdruck einer oberflächlichen Befassung mit einem Modephilosophen? Können sie seine Philosophie einem breiteren, auch nicht-akademischen Publikum vermitteln und zu einem neuen, fachübergreifenden Diskurs zwischen Philosophie und Kunst beitragen?
Barbara Straka initiierte als Kuratorin und Kunstvermittlerin seit 1980 Ausstellungen und Großprojekte zeitgenössischer Kunst im In- und Ausland. Sie war Direktorin des ‚Haus am Waldsee Berlin – Ort internationaler Gegenwartskunst‘, Präsidentin der Niedersächsischen Kunstuniversität HBK Braunschweig sowie Referentin für Kultur- und Kreativwirtschaft und für Internationales beim Senat Berlin. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Veröffentlichungen zur Kunst nach 1945.
Publikation: „Nietzsche forever? Friedrich Nietzsches Transfigurationen in der zeitgenössischen Kunst“. Schwabe, Basel 2025 (2 Bd.)
Dr. phil. Justus H. Ulbricht war 1995 bis 2009 bei der Klassik Stiftung Weimar, davon die letzten drei Jahre im Kolleg Friedrich Nietzsche, tätig. In seinen Forschungen zu den Lebens- und Kulturreform-Bewegungen um und nach 1900 hat er siich viel mit Nietzsche auseinander gesetzt und zu dessen Rezeption einige Aufsätze veröffentlicht.
