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  • Galerie und Kulturzentrum in Weimar
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Ausstellungen

Kopfüberleben | Yvonne Buchheim

Ausstellung So, 27.06.2021–So, 15.08.2021

Yvonne Buchheim: Kopfüberleben, Serie von 100 Zeichnungen, 2021.

Lesedauer etwa 2:07 Minuten

Yvonne Buchheim: Mein ursprüngliches Konzept für die ACC-Ausstellung war geprägt von einem wachsenden Gefühl, nach zwanzig Jahren Abwesenheit von Deutschland das Zuhause zu verlieren. Als ich mich in Kairo, meiner Wahlheimat seit 2012, immer vertrauter fühlte, begann ich darüber nachzudenken, wie ich Heimat in all ihren Verstrickungen jenseits der Vorstellung eines physischen Raums definieren könnte. Ich orientierte mich am Konzept der Homing Devices von Sarah Ahmad und begann mit täglichen Zeichnungen und Fotografien, um herauszufinden, was Heimat bedeutet: „Wie belegen wir den Raum zu Hause als Heimat, wenn wir unser Zuhause verlassen?“

Bei dieser Untersuchung wurde mein Körper zu einem entscheidenden Bestandteil dafür, dass ich mich in der Welt ohne mein Zuhause zuhause fühle. Indem ich auf den individuellen, sozialen und politischen Körper achtete, der „seine Gedanken, Gefühle, Bedeutungen und Erinnerungen in den Raum einschreibt und sich dabei transformiert“ (Reena Tiwari), begann ich durch konkretes Nachfragen etwas über die Beziehung anderer Menschen zu ihrem Körper herauszufinden. Ich versuchte mich durch folgende Methoden dem Thema zu nähern:

Interviews, die zu einer Reihe von Körperportraits führen (Was weiß Ihr Körper, Fotografien, 2019) Workshops und Lesungen mit Studenten in Kairo und Amman (Mein Körper ist mein Körper, CILAS (Cairo Institute of Liberal Arts and Sciences), 2017-18 und Die Sprache des Körpers I und II – MMAG (Mohammad and Mahera Abu Ghazaleh Foundation for Art & Culture), 2018), Kollaborationen mit der ägyptischen Dichterin Sara Elkamel und dem Philosophen Ismail Fayed (Mein Körper ist mein Körper, 2017 - 18 und Zerebraler Bericht, 2018 - 19) Erkundung weiblicher Körper im öffentlichen Raum mit einer Frauenkünstlergruppe (The Cairo Bats, Fotografien, 2014 - 19)

Meine jüngste Diagnose von Brustkrebs zwang mich brutal, meine derzeitige Existenz, die Vorstellung des Körpers als Zuhause und mein ausgewähltes Zuhause als Ort zum Verweilen und Heilen zu überdenken. In einem Schockzustand verließ ich Kairo und begann eine 1,5-jährige Behandlung in Berlin mit häufigen Besuchen in meiner Heimatstadt Weimar, wo ich mit einem verwandelten Körpergefühl durch die Felder meiner Kindheit ging. Da ich weiß, dass sich mein physischer Körper während einer Operation radikal verändert und unter den schweren Nebenwirkungen einer Chemotherapie leidet, muss ich meine Homing Devices neu erfinden, um einen Sinn für ein derart unsicheres, unzuverlässiges Körper-zu-Hause zu finden. In Disease as an Aesthetic Project sagt Alina Popa: „Heilung ist ein Gedicht, das mit der Sprache der Symptome geschrieben wurde.“ und öffnet somit einen Einblick in die Krankheit als Metapher. Durch den Versuch, auf der Suche nach einem Zuhause am Heilungsprozess zu arbeiten, erhoffe ich mir Erkenntnisse darüber, wie eine persönliche Erfahrung mit universellen Erzählungen in Verbindung gebracht werden kann. Wie erzählen wir unsere persönlichen Geschichten mit dem Wissen, dass Zuhause durch kollektives Gedächtnis aufgebaut wird? Und wie kann der Begriff des Zuhauses dekonstruiert, hinterfragt und neu erfunden werden? Wo ist mein Zuhause und wo ist Ihrs?

Besonderer Dank gilt der Cape-Stiftung für die psychoonkologische Begleitung und finanzielle Unterstützung bei der Realisierung dieser Ausstellung.

Yvonne Buchheim dankt Dörte Wihan für die Rettung in der größten Not.

Und Yvonne Buchheim hat einen speziellen Dank: Special thanks to Ronnie Close for sitting with me on the chestnut tree.

  • Beteiligte

  • Erste Eindrücke

    1 Dancing With Death (Alle tanzen mit dem Tod) Fotografie auf Glas, 2018/2021, Claus Bach
  • 2 St. Agatha, Leuchtkasten, 2020/2021 und Fotografie auf Holz, 2021, Claus Bach
  • 3 What Does Your Body Know (Was weiss Ihr Körper), 7 Fotografien, 2019, Claus Bach
  • 4 What Does Your Body Know (Was weiss Ihr Körper), 7 Fotografien, 2019, Claus Bach
  • 5 All a Question of Context (Alles eine Frage der Relation), Fotografie, 2020, Claus Bach
  • 6 Who Is The One In My Ear Listening To My Voice (Wer ist diejenige in meinem Ohr meine Stimme hörend), Fotoserie, 2018-2021, Claus Bach
  • 7 Who Is The One In My Ear Listening To My Voice (Wer ist diejenige in meinem Ohr meine Stimme hörend), Fotoserie, 2018-2021, Claus Bach
  • 8 Who Is The One In My Mouth Saying My words (Wer ist diejenige in meinem Mund meine Worte sagend), Objekt, 2021, Claus Bach
  • 9 Present Absent Body (Anwesender Abwesender Körper), Installation, 2021, Claus Bach
  • Wir bedanken uns herzlich für die Förderung bzw. Unterstützung durch:

    Kulturstiftung des Freistaats Thüringen; Thüringer Staatskanzlei — Abteilung Kultur und Kunst; Stadt Weimar; Sparkassenstiftung Weimar — Weimarer Land; SV SparkassenVersicherung; NEUSTART KULTUR; Deutscher Künstlerbund; Cape-Stiftung; WBB Tiefbaugesellschaft Bau + Bausanierung GmbH; Förderkreis der ACC Galerie Weimar; Megan Adams; Daniela Albrecht; Judith Ashton; Tamany Baker; Hans-Joachim und Ellen Bieger; Bärbel Blumert; Niina Brown; Isolde Anita Buchheim; Maia Conran; Lucy Cox; Mark Curran; Liam Devlin; Sara Elkamel; Dr. med. vet. Brigitte Görnitz und Prof. Dr. rer. nat. Thomas Görnitz; Rachel Kirk; Colin und Marie-Anne McQuay; Suzanne Mooney; Elisabeth Pearce; Sunita Rappai; Dr. med. vet. Kathrin Reiher und Prof. Dr. med. Horst Reiher; ROCCA Family; Steffen Roser; Ulrike Schulz; Marina Zwaenepoel;

  • Publikation

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