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Atelierprogramm

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Does Humor Belong in Art?

21. Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar (seit 1994)

Lesedauer etwa 3:41 Minuten

Contact/Kontakt: studioprogram@acc-weimar.de

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Auch im Jahr 2015 werden die Stadt Weimar und das ACC wieder Gastgeber für drei internationale Künstler sein, die im Rahmen des 21. Internationalen Atelierprogramms (Thema: Does Humor Belong in Art?) im Städtischen Atelierhaus leben und arbeiten werden. 96 Künstlerbewerbungen aus 25 Ländern hat eine internationale Fachjury bewertet, die am 10./11. Oktober 2014 im ACC tagte und aus der Künstlerin Tea Mäkipää (FI), dem Kurator und Kunsthistoriker Dr. Christian Schoen (DE) und der Galeristin Sara Zanin (IT) bestand. Sie entschieden sich für Elizabeth Wurst (DE / PE), Sarah Jones (AU / DE) und Camilo Osorio Suarez (CO / DE). Elizabeth Wurst (geb. 1985) wird in Kooperation mit Theatergruppen vor Ort eine Performance für den öffentlichen Raum erarbeiten und performativen Tanz mit Müll kombinieren. Sarah Jones (geb. 1982) möchte die kulturellen Zwänge des Humors und den Witz in der Bewegung des Körpers erforschen. Camilo Osorio Suarez (geb. 1980) Kolumbianer wird, ausgehend von einem Zitat Friedrich Nietzsches – Es hat wohl für jeden Philosophen eine böse Stunde gegeben, wo er dachte: was liegt an mir, wenn man mir nicht auch meine schlechten Argumente glaubt! — Und dann flog irgend ein schadenfrohes Vögelchen an ihm vorüber und zwitscherte: «Was liegt an dir? Was liegt an dir?» – sein Projekt Der Papagei mit Federn verwirklichen. So plant der Künstler, einem kolumbianischen Papagei die thüringische Sprechweise der Bewohner Weimars und des Weimarer Lands beizubringen. Tonaufnahmen der Papageienstimme, die textliche Dokumentation seiner «Worte» und den Lernprozess festhaltende Filmaufnahmen sollen im Endergebnis in einer Installation vereint und von einem mit Holzschnitten illustrierten Buch begleitet zu sehen sein.

Jeder Stipendiat wird für vier Monate in Weimar gastieren. 2016 endet das Programm mit einer Ausstellung.

Humor als Ausdrucksform, Kulturprodukt, Kontaktmedium und Gemeinschaftsbildner, Existenzgrundlage alles Zwischenmenschlichen und Leidabwehrstrategie des Seelenlebens ist elementar und universal, entlastend und entwaffnend, unbestimmt und kryptisch, stimulierend und verführerisch, seltsam und schwer zu analysieren. Als subversiver Akt der Rebellion stellt der Humor die Starrheit unseres rational-logischen Denkens auf den Kopf, zielt auf die Hinfälligkeit des vermeintlich Endgültigen, indem er – ob nun mit den strategischen Mitteln der Andeutung oder Übertreibung, Albernheit oder Parodie, Irritation oder Ironie – alle festen Rollen und Einstellungen, Normen und Verpflichtungen dementiert. Die Methode, tradierte Ordnungsprinzipien, seien es gesellschaftliche oder ästhetische, auf humorvolle Weise in Frage zu stellen, um den Betrachter und seine Wahrnehmungsmuster zu verunsichern, lässt sich von der Avantgarde bis zur Postmoderne verfolgen. Mit dem Thema „Does Humor Belong in Art?“ sucht das Internationale Atelierprogramm nach KünstlerInnen, die sich des Humors bedienen und durch eine ironische Unterwanderung eine gegebene, individuell oder allgemein gültige Logik zu hinterfragen versuchen. Welchen Platz nimmt der Humor in der gegenwärtigen Kunstpraxis ein? Gehört Humor zur Kunst?

Humor hatte in der sakralen Kunst nichts verloren, die klassische Kunst mied das Lachen, im frühen Christentum und Mittelalter war es verpönt, galt als unstatthaft – Jesus Christus hatte, so hieß es, nie gelacht auf Erden. Wenngleich zu allen Zeiten gelacht wurde, lehnt die „hehre“, „wahre“, „ernste“, „erhabene“, „zeitlose“ bildende Kunst – trotz ihrer langen Tradition des Humoristischen von Rembrandt van Rijn, Francisco de Goya und Honoré Daumier über Marcel Duchamp und René Magritte zu John Waters, Raymond Pettibon und Vik Muniz – nicht selten die Darstellung oder Auslösung dieses Gefühlsreflexes ab, wird ihr eine gewisse Humorlosigkeit zugeschrieben, möchte der Künstler seine Größe, Einzigartigkeit und Bedeutung nicht durch oberflächlichen Unernst auf’s Spiel setzen, neigen Kunstgeschichtler dazu, Humor zu umgehen. Oft findet Humor seinen Ausdruck in der Kunst durch die Überlagerung von visueller und sprachlicher Ebene oder Wortspiele, die Spiegelung des eigenen (Gesellschafts)Systems oder Kontextverschiebungen, das Umkehren von Sinn, Logik und gesundem Menschenverstand oder das Kollidieren verschiedener Wertesysteme, Alltagsrealitäten und Vorstellungen. Immer hängt, worüber man lacht, von den jeweiligen moralischen und ästhetischen Vorstellungen einer Zeit ab, auch in der Kunst. Nicht immer gibt es nur eine Pointe und manchmal wissen wir nicht, ob es in Ordnung ist, zu lachen oder nicht, ob ein Kunstwerk gleichzeitig voller Humor und kritisch sein kann oder ob sich Gegenwartskünstler immer ernst nehmen. Oder ob es wirklich keine größere Macht als die des Lachens gibt1 („Die Macht ist stark – stärker das Gelächter“2), ob also im Humor, auch dem in der Kunst, eine gesellschaftliche oder politische Sprengkraft verborgen sein kann. Oder ist er Erlöser, Ermöglicher, Mutmacher, Trost – und zuweilen auch, wenn man trotzdem lacht?3 Oder ist „Humor einfach eine komische Art, ernst zu sein“, wie der Schauspieler Peter Ustinov einmal meinte?

Humor ist – in all seinen Facetten – ambivalent. Während man durch versöhnliches Scherzen einen Streit zu schlichten vermag, sind stichelnde Ironie und bitterer Sarkasmus schnell dessen Auslöser. Als die „siegreich behauptete Unverletzlichkeit des Ichs“4 ist Humor, klug eingesetzt, Schutzschild und Waffe zugleich, ein Instrument, das uns erlaubt, über Leiderfahrung, Missstände und Todesfurcht zu triumphieren, der finale Rettungsring, wenn Zweifel, Skepsis und Ausweglosigkeit drohen – und wirkt, laut Freud, ganz nebenbei stressabbauend. Sein oft als Ventil in der Feierabend-TV-Unterhaltungsindustrie abgeschriebenes Konzept wird zur Überlebensstrategie: Wer zuletzt lacht, lacht am längsten. Doch ist Humor so nicht nur Gegenstand philosophischer Auseinandersetzungen mit der Welt, sondern hielt längst Einzug in andere Gefilde. In psychiatrischen Therapien bietet er die Basis eines zwanglosen, emotionale Knoten und Hemmungen lösenden Umgangstons, der kreatives Potenzial wecken und Perspektivverschiebungen anregen mag. Generell ist die anthropologische Funktion des Humors offensichtlich und allgegenwärtig: er ist unabdingbare Grundlage für Freund- und Partnerschaften, wirkt anziehend – und ist so ein wichtiges Verbindungsglied zwischen uns und unserem Gegenüber.

Künstler, die sich mit diesem vorgegebenen Thema auseinandersetzen möchten, mögen sich für unser Programm bewerben.

1 Hugh Greene 2 Heinrich Lützeler 3 Otto Julius Bierbaum 4 Sigmund Freud

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